Raúl Castro beim Papst Flirt zwischen Kommunismus und Katholizismus

Ein Katholik, der als Linker durchgeht, und ein Linker, der sich überlegt, wieder Katholik zu werden: Papst Franziskus hat Kubas Staatschef Raúl Castro im Vatikan empfangen - die Oberhäupter beider Glaubensrichtungen demonstrierten Einigkeit.

Raúl Castro, Papst Franziskus: "Mehr Messen gehört als Sie"
AP

Raúl Castro, Papst Franziskus: "Mehr Messen gehört als Sie"


Papst Franziskus hat am Sonntag zum ersten Mal Raúl Castro empfangen, als Präsident des sozialistischen Sehnsuchtsorts Kubas ist der ja so eine Art kommunistisches Gegenstück zum Oberhaupt der Katholiken im Vatikan.

Castro habe sich bei Franziskus für dessen Vermittlung bei der Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA bedankt, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Begegnung mit. Die Audienz, an der auch der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez teilnahm, fand den Angaben zufolge in einem Nebenraum der Vatikanischen Audienzhalle statt und dauerte eine Stunde, was für ein solches Treffen ungewöhnlich lang ist.

Raúl Castro zeigte sich begeistert. "Ich habe alle Reden des Papstes gelesen", so Castro auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Italiens Regierungschef Matteo Renzi. "Kein Witz, wenn der Papst weiter so redet, dann fange ich früher oder später wieder an zu beten und trete wieder der katholischen Kirche bei." Castro, der eine Jesuiten-Schule besucht hatte, erzählte von seinem Gespräch mit Franziskus: "Ich habe ihm gesagt: Ich habe mehr Messen gehört als Sie."

Das argentinische Kirchenoberhaupt hatte eine zentrale Rolle bei der historischen Annäherung zwischen den USA und dem kommunistischen Karibikstaat gespielt. Die Delegationen beider Länder hatten sich unter anderem im Vatikan getroffen, bevor beide Seiten nach Jahrzehnten der Feindschaft im Dezember 2014 eine grundlegende Neuausrichtung ihrer Beziehungen einleiteten. Franziskus hatte sich auch persönlich in die Vermittlungsbemühungen eingeschaltet und sich im Sommer in Briefen direkt an Castro und US-Präsident Barack Obama gewandt.

Bei dem als privat deklarierten Treffen mit Castro ging es nach Angaben aus dem Vatikan auch um den bevorstehenden Besuch des Papstes in Kuba. Franziskus will im September nach Kuba und in die USA reisen. Der 78-Jährige ist nach Papst Johannes Paul II. und seinem Vorgänger Benedikt XVI. der dritte Pontifex, der Kuba besucht.

Kubas Revolutionsführer Fidel Castro, der 2008 die Macht an seinen Bruder Raúl abgegeben hatte, war 1996 von Johannes Paul II. ebenfalls im Vatikan empfangen worden. Zwei Jahre später reiste Johannes Paul II. nach Kuba. Es war der erste Besuch eines Papstes in Kuba überhaupt und legte den Grundstein für ein besseres Verhältnis des kubanischen Staates zur katholischen Kirche. Franziskus, der damals noch Weihbischof in Buenos Aires war, hatte Johannes Paul II. bei der Reise begleitet.

sha/dpa



insgesamt 1666 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stiip 13.03.2013
1. Franziskus
Zitat von sysopDas Konklave ist beendet, Erzbischof Jorge Mario Bergoglio aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires ist der neue Papst. Der Nachfolger von Benedikt XVI. wird die unterschiedlichsten Erwartungen an ihn und sein Pontifikat aus der ganzen Welt moderieren müssen. Was denken Sie - kann Papst Franziskus diese Erwartungen erfüllen?
Ich weiß nicht viel über den Herrn Bergoglio, aber die Wahl des Papstnamens lässt ja fast so etwas wie Hoffnung aufkeimen.
shareman 13.03.2013
2. Überraschung
Das ist doch mal eine Überraschung - der Name wurde weniger genannt in den letzten Tagen. Jetzt also ein Südamerikaner!
mattin666 13.03.2013
3. Toll
Gott sei mit Dir!!!
sysop 13.03.2013
4. Papst Franziskus I - kann er die Erwartungen erfüllen?
Das Konklave ist beendet, Erzbischof Jorge Mario Bergoglio aus Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires ist der neue Papst. Der Nachfolger von Benedikt XVI. wird die unterschiedlichsten Erwartungen an ihn und sein Pontifikat aus der ganzen Welt moderieren müssen. Was denken Sie - kann Papst Franziskus I diese Erwartungen erfüllen?
fritzwert 13.03.2013
5. Gesetz gilt wieder
"Wer als Favorit ins Konklave reingeht, kommt als Kardinal wieder raus."
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.