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Papst-Besuch in der Türkei "Wunderbar, würden muslimische Führer die Gewalt verurteilen"

"Wir bedürfen einer globalen Verurteilung": Papst Franziskus hat die geistigen und politischen Führer der muslimischen Welt dazu aufgefordert, Position gegen Terror im Namen des Islam zu beziehen.

Istanbul/Rom - Papst Franziskus hat die muslimischen Führer der Welt aufgerufen, Terrorismus im Namen des Islam zu verurteilen. Von einer entsprechenden Unterhaltung mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan berichtete Franziskus am Sonntagabend an Bord der Maschine, die ihn nach seinem Türkei-Besuch nach Rom zurückbrachte. Der Papst sagte Erdogan demnach, es wäre "wunderbar, wenn alle muslimischen Führer in der Welt - politische, religiöse und akademische - mit deutlichen Worten" die Gewalt "verurteilen" würden, die dem Ansehen des Islam schade.

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Franziskus über islamistischen Terror: "So viele Muslime sind verletzt"

Foto: Filippo Monteforte/ dpa

Eine solche Botschaft würde der "Mehrheit der Muslime helfen", sagte der Papst vor Journalisten. "Wir alle bedürfen einer globalen Verurteilung" der missbräuchlich im Namen des Islam verübten Gräueltaten. Aus den gegenwärtigen Krisen erwachse die Gefahr für alle Muslime, Opfer von Vergeltung zu werden. "So viele Muslime sind verletzt und sagen: 'Wir sind nicht diese Menschen (Extremisten), der Koran ist ein Werk des Friedens'."

Franziskus hatte bereits während seines Türkei-Besuchs mehrfach die Gewalt der Terrororganisation "Islamischer Staat" verurteilt. Auf dem Rückflug warnte er indes davor, Extremisten mit der großen Mehrheit der Muslime gleichzusetzen. "Ich glaube wirklich, dass man nicht sagen kann, dass alle Muslime Terroristen sind, wie man auch nicht sagen kann, dass alle Christen Fundamentalisten sind. In allen Religionen gibt es solche Gruppen."

"Schreckliche Lage der Christen"

In einer gemeinsamen Erklärung mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., hatte der Papst am Sonntag betont, angesichts der "schrecklichen Lage der Christen und allen anderen Opfern im Nahen Osten" seien nicht nur Gebete nötig, sondern auch eine "angemessene Reaktion der internationalen Gemeinschaft".

Über sein Innehalten in der blauen Moschee in Istanbul sagte der Argentinier: "Ich habe für die Türkei gebetet, für den Frieden, für den Mufti, für alle, für mich. Ich habe vor allem für den Frieden gebetet." In der Moschee hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Samstag einige Minuten still mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen verharrt. "Es war ein Moment des ehrlichen Gebets", sagte der Papst. Er sei als Pilger in die Türkei gekommen und nicht als Tourist und habe in der Moschee das Bedürfnis verspürt, zu beten.

Franziskus' dreitägiger Aufenthalt war der erste Türkei-Besuch eines Papstes seit acht Jahren. Zum Auftakt seiner Reise war er am Freitag in Ankara mit Erdogan zusammengetroffen. Dabei hatte er sich auch für Religionsfreiheit sowie für mehr interreligiösen Dialog ausgesprochen.

rls/AFP/dpa
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