Historische Entscheidung Franziskus schafft "päpstliches Geheimnis" bei Missbrauch ab

Es ist eine Entscheidung, die ein Erzbischof als epochal bezeichnet: Papst Franziskus hat eine Regel für ungültig erklärt, durch die sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche verschleiert wurde.
Papst Franziskus im Vatikan (Archivbild): Gegen die Geheimhaltung von Missbrauch

Papst Franziskus im Vatikan (Archivbild): Gegen die Geheimhaltung von Missbrauch

Foto: Andrew Medichini/ DPA

Papst Franziskus verschärft die Gangart beim Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche. Dazu schaffte er das "päpstliche Geheimnis" im Fall von Missbrauch durch Priester ab, wie der Vatikan mitteilte . Die Maßnahme führt nach Angaben der Vatikanischen Medienplattform Vaticannews dazu, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen.

Als "päpstliches Geheimnis" wird eine strenge Verschwiegenheitsregel in der katholischen Kirche bezeichnet. Das sogenannte Secretum pontificium stellt es unter Strafe, bestimmte Rechtsvorgänge öffentlich zu machen. Franziskus hatte kritisiert, diese Regel sei genutzt worden, um Pädophile zu schützen, Opfer zum Schweigen zu bringen und die Strafverfolgungsbehörden davon abzuhalten, Verbrechen zu untersuchen.

Missbrauchsfälle lösten Krise in der katholischen Kirche aus

Der massenhafte Missbrauch von Kindern hatte die katholische Kirche in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt. Schon Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. kündigte totale Transparenz an, was viele Kritiker aber immer noch nicht für durchgesetzt halten. Die deutschen Bistümer hatten ihre Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften seit 2010 intensiviert. Das heißt, sobald sich ein Verdachtsfall sexuellen Missbrauchs erhärtet, soll er zur Anzeige gebracht werden.

Franziskus veröffentlichte nun insgesamt zwei Dokumente, sogenannte Reskripte, in denen er seine Autorität nutzt, um bestimmte Artikel des kanonischen Rechts neu zu schreiben. Darin wird unter anderem neu geregelt, in welchem Alter Minderjährige als Opfer von pornografischen Darstellungen gelten. Es gehört nun zu den schwersten Vergehen, wenn diese Bilder mit Kindern im Alter von bis zu 18 Jahren verbreitet oder besessen werden. Bisher galt eine Grenze von 14 Jahren.

Die Entscheidung des Papstes ist eine Folge des Antimissbrauchsgipfels im Vatikan im Februar, zu dem Franziskus alle Bischöfe der Welt geladen hatte. Der Erzbischof von Malta und einer der engsten Papstberater beim Thema Missbrauch, Charles Scicluna, sprach von einer "epochalen" Entscheidung. Eine Hintertür bleibt jedoch auch nach dem Erlass: Die Verfahrensvorgänge unterliegen auch künftig einer besonderen Vertraulichkeit.

jki/bhr/dpa/AP/Reuters
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