Papst Franziskus über möglichen Rücktritt »Nie in den Sinn gekommen«

In einem Interview hat Papst Franziskus Rücktrittsgerüchte zurückgewiesen. Spekulationen über eine Krebserkrankung bezeichnete er als »Hofgeschwätz«.
Papst Franziskus im Vatikan (2021)

Papst Franziskus im Vatikan (2021)

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Andreas Solaro / AFP

Seit geraumer Zeit kursieren in der katholischen Kirche Gerüchte über eine angeblich schwere Erkrankung des Papstes und die Möglichkeit, dass er wie sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. vorzeitig aus dem Amt scheiden könnte.

Jetzt hat der Pontifex solchen Spekulationen eine Absage erteilt. »Das ist mir nie in den Sinn gekommen«, sagte das 85-jährige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in einem am Montag veröffentlichten Interview.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte einen bevorstehenden Besuch des Papstes im italienischen L'Aquila zum Anlass genommen nachzufragen. Die Geschichte der Stadt ist eng mit Papst Coelestin V. verbunden, der 1294 auf das Papstamt verzichtete. Papst Benedikt XVI. hatte L'Aquila vier Jahre vor seinem Rücktritt im Jahr 2013 besucht.

»All diese Zufälle lassen einige denken, dass die gleiche ›Liturgie‹ stattfinden könnte«, sagte Franziskus demnach. »Aber das ist mir nie in den Sinn gekommen. Für den Moment nein, für den Moment nein. Wirklich.« Der Papst wiederholte seine oft geäußerte Position, wonach er eines Tages zurücktreten könnte, anstatt auf Lebenszeit sein Amt zu bekleiden – sollte es seine Gesundheit ihm unmöglich machen, die Kirche zu leiten. Auf die Frage, wann dies der Fall sein könnte, sagte er: »Wir wissen es nicht. Gott wird es sagen.«

In dem Interview in seiner Residenz im Vatikan dementierte Franziskus auch Gerüchte, wonach er an Krebs erkrankt sein soll. Er scherzte, dass seine Ärzte »mir nichts davon gesagt haben«. Die Spekulationen bezeichnete der Papst als vatikanisches »Hofgeschwätz«. Die Mutmaßungen über eine Krebserkrankung waren aufgetaucht, nachdem er sich einer Operation unterzogen hatte, um einen Teil seines Dickdarms entfernen zu lassen. Franziskus leidet demnach an Divertikulitis, einer bei älteren Menschen häufigen Erkrankung. »Die Operation war ein großer Erfolg«, sagte der Papst.

Zugleich nannte Franziskus erstmals Einzelheiten zu seiner Knieerkrankung, die ihn behindert. Franziskus, der den Raum allein und ohne Hilfe mit einem Stock betrat, sagte, sein Knieproblem sei durch einen »kleinen Bruch« verursacht worden. Den habe er sich bei einem Stolpern zugezogen, als ein Band in seinem rechten Knie entzündet gewesen sei. »Mir geht es gut, ich werde langsam wieder gesund«, sagte er und fügte hinzu, dass die Verkalkung des Bruchs im Gange sei.

Seine Behandlung umfasse eine Laser- und eine Magnettherapie. Er sagte, er sei gegen eine Operation an seinem Knie gewesen, weil er nicht gewollt habe, dass sich die negativen Nebenwirkungen der Vollnarkose nach seiner sechsstündigen Darmoperation im vergangenen Jahr wiederholten.

Im Interview mit der argentinischen Journalistin Bernarda Llorente  hatte der Pontifex Anfang Juli erzählt, er habe nie damit gerechnet, Papst zu werden. »Ich bin mit einem kleinen Koffer in den Vatikan gekommen, mit den Kleidern, die ich am Leib hatte und wenig mehr.« Er sei davon ausgegangen, zu Palmsonntag wieder daheim in Argentinien zu sein, seine Predigten habe er schon vorbereitet gehabt. »Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich hier sein würde.«

Auf die Frage, was sein altes Ich, also Jorge Bergoglio, vom heutigen Papst Franziskus denken würde, sagte er: »Du Ärmster, was du da alles machen musst!« Aber es sei gar nicht so tragisch, Papst zu sein: »Man kann ein guter Hirte sein.«

Er habe gelernt, barmherziger zu sein. In seinem Leben habe es Phasen gegeben, in denen er sehr rigide gewesen sei und zu viel verlangt habe: »Dann habe ich verstanden, dass man einer Straße nicht folgen, sondern über sie führen muss.«

Gefragt, ob die Gläubigen noch eine Weile etwas von Papst Franziskus haben würden, sagte er: »Das sollten wir ihm dort oben überlassen.«

ala/Reuters
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