Nach Urteil in den USA Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord

Papst Franziskus bleibt nach dem hoch umstrittenen Abtreibungsurteil in den USA auf einer Linie mit konservativen US-Bischöfen: Ein Schwangerschaftsabbruch sei »dem Anheuern eines Auftragsmörders« vergleichbar, sagt er.
Papst Franziskus im Vatikan

Papst Franziskus im Vatikan

Foto: IMAGO/Massimiliano MIGLIORATO/CPP / / IMAGO/Independent Photo Agency Int.

Papst Franziskus hat nach der Abtreibungsentscheidung des Obersten Gerichtshofs in den USA Schwangerschaftsabbrüche erneut verurteilt. »Ich frage: Ist es legitim, ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?«, fragte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der 85 Jahre alte Argentinier verglich Abtreibung mit »dem Anheuern eines Auftragsmörders «.

Die drastische Rhetorik ist nicht neu, der Pontifex hat schon in der Vergangenheit Schwangerschaftsabbrüche als Mord bezeichnet. »Wer abtreibt, tötet«, sagte er etwa im September 2021 auf dem Rückflug aus der Slowakei.

Ende Juni kippte das mehrheitlich konservativ besetzte US-Gericht ein Urteil aus dem Jahr 1973, das als »Roe v. Wade« bekannt ist und mit dem zuvor das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch sichergestellt wurde. Damit machte es den Weg frei für strengere Abtreibungsgesetze. Die Entscheidung löste große Empörung aus.

Zwar schränkte der Pontifex ein, er habe die Entscheidung des Supreme Court aus technischer und juristischer Sicht noch nicht abschließend durchdrungen. Er respektiere aber das Urteil. Abgesehen davon müsse man darauf schauen, was die Wissenschaft zum Thema Abtreibung sage. »Jedes Buch über Embryologie, das unsere Medizinstudenten lesen, zeigt auf, dass 30 Tage nach der Empfängnis DNA vorhanden ist und dass alle Organe bereits angelegt sind.«

Aus dem Vatikan reagierte die Päpstliche Akademie für das Leben. »Nach 50 Jahren ist es wichtig, wieder eine ideologiefreie Debatte zu beginnen über den Stellenwert, den der Schutz des Lebens in der zivilen Gesellschaft hat, um uns zu fragen, welche Art von Zusammenleben und Gesellschaft wir aufbauen wollen.« Die katholischen Bischöfe in den USA begrüßten die Gerichtsentscheidung.

Franziskus hat sich stets gegen Abtreibung ausgesprochen und vertritt damit den katholischen Mainstream innerhalb der Weltkirche. Allerdings hielt ihn das nicht davon ab, in der Sache Flagge zu zeigen. So nahm die US-Demokratin Nancy Pelosi bei einem Vatikanbesuch an der Kommunion teil – obwohl ihr dies von Salvatore Cordileone, dem konservativen Erzbischof von San Francisco, explizit untersagt wurde. Der US-Geistliche berief sich auf geltendes Kirchenrecht. Pelosi tritt offen für das Recht auf Abtreibung ein und hat die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Aufhebung des landesweiten Rechts auf Schwangerschaftsabbruch scharf verurteilt. Damit begeht sie laut Cordileone »offenkundig eine schwere Sünde«.

Die Tatsache, dass die US-Politikerin dennoch ausgerechnet während einer Messe im Petersdom, die teilweise vom Papst gehalten wurde, zur Kommunion zugelassen wurde, darf als Fingerzeig an die erzkonservativen Kräfte in der Kirche der USA gelten, in der hochpolitischen Debatte nicht überzureagieren.

Weil US-Präsident Joe Biden in der Abtreibungsfrage denselben Kurs wie Pelosi verfolgt, könnte ihn ein ähnliches Schicksal ereilen. Die Konferenz der katholischen Bischöfe in den USA will ihm ebenfalls die kirchlichen Sakramente vorenthalten.

ala/Reuters
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