Katholische Kirche Papst Franziskus will Zölibat nicht lockern

In der katholischen Kirche dürfen weiterhin keine verheirateten Männer geweiht werden. Kardinal Marx, Chef der deutschen Bischofskonferenz, sagt über die Entscheidung des Papstes: "Er macht hier keine Tür zu."
Papst Franziskus hat das Abschlussdokument der Amazonas-Synode präsentiert (Archivbild vom November 2019)

Papst Franziskus hat das Abschlussdokument der Amazonas-Synode präsentiert (Archivbild vom November 2019)

Foto: Franco Origlia/ Getty Images

Papst Franziskus hat eine Empfehlung von Bischöfen zur umstrittenen Lockerung des Zölibats nicht aufgegriffen. In seinem päpstlichen Schreiben zur Amazonassynode vermeidet er eine klare Positionierung. Der Weihe von Frauen erteilte er eine Absage.

Über den Zölibat war in der katholischen Kirche ein Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt. Wegen des Priestermangels in entlegenen Gebieten der Amazonas-Region hatten Bischöfe, Ordensvertreter und Experten bei der Amazonas-Synode im Oktober in einem Schlussdokument  zur Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer aufgerufen. In der abgelegenen Amazonasregion kann manchmal sogar nur ein Mal im Jahr die Heilige Messe gefeiert werden, weil es keine Priester gibt.

Die Probleme der Kirche in Südamerika werden von Franziskus in seinem Schreiben "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) auch benannt: „Die kirchliche Pastoral ist in Amazonien nicht sehr präsent“. Das sei „zum Teil auf die immense territoriale Ausdehnung mit vielen schwer zugänglichen Orten“ zurückzuführen, zum Teil „auf die große kulturelle Vielfalt, auf die schwerwiegenden sozialen Probleme wie auch auf die Entscheidung einiger Völker, sich abzuschotten“. Dies erfordere eine „entsprechende mutige Antwort der Kirche“.

Priester haben eine "exklusive Identität"

Wie diese Antwort im Zeichen des Priestermangels aussehen kann? Hier bleibt Franziskus eher wolkig: Der Papst nimmt in dem nun veröffentlichten Dokument auf die Debatte um den Zölibat keinen Bezug und erwähnt in den 51 Seiten nicht ein einziges Mal den Begriff. Priester hätten eine "exklusive Identität" und sollten diese auch behalten.

Um dennoch den priesterlichen Dienst in abgelegenen Gebieten zu gewährleisten, müsse ein anderer Weg gefunden werden: Franziskus plädiert dafür, Laien stärker einzubinden. Laien könnten "das Wort verkünden, unterrichten, ihre Gemeinschaften organisieren, einige Sakramente feiern" - aber sie können nicht die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. Das sei nur dem Priester vorbehalten.

Einer möglichen Weihe von Frauen erteilt der Papst eine klare Absage. Er lobt zwar „die Kraft und die Gabe der Frauen“, ohne deren Einsatz manche Gemeinschaften in Südamerika wohl nicht überlebt hätten. Frauen, die „tauften, Katechesen hielten, den Menschen das Beten beibrachten und missionarisch wirkten“, seien für die Kirche vor Ort ausgesprochen wichtig.

Aber: Die Forderungen nach Priesterinnen sei der falsche Weg. Man dürfe das Verständnis von Kirche nicht auf "funktionale Strukturen" reduzieren: „Ein solcher Reduktionismus würde uns zu der Annahme veranlassen, dass den Frauen nur dann ein Status in der Kirche und eine größere Beteiligung eingeräumt würden, wenn sie zu den heiligen Weihen zugelassen würden." Weiter schreibt der Papst: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben".

Franziskus' Schreiben wird auch Auswirkungen auf den Synodalen Weg in Deutschland haben. Denn bei dem Reformprozess soll es ebenfalls um den Zölibat und die Rolle der Frauen gehen. Auch hierzulande erhoffen sich viele Gläubige in diesen Punkten eine Öffnung der Kirche.

Erst am Dienstag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, seinen Rücktritt angekündigt (lesen Sie hier mehr dazu). Marx gilt als Treiber der Reform.

"Ich sehe das nicht als eine endgültige Beendigung der Diskussion an"

Reinhard Kardinal Marx

Marx sieht nach eigenen Angaben in der jetzigen Entscheidung des Papstes keine Grundsatzentscheidung: Franziskus greife den Vorschlag der Amazonassynode, den Zölibat in abgelegenen Gebieten in Ausnahmefällen zu lockern, nicht konkret auf, er schließe aber auch nichts aus, sagte der Kardinal.

Er habe nicht den Eindruck, dass der Papst das Thema vom Tisch nehme. "Er macht hier keine Tür zu", sagte Marx. "Ich sehe das nicht als eine endgültige Beendigung der Diskussion an."

Marx bestritt, dass sein am Dienstag angekündigter Rückzug vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz etwas mit dem Schreiben des Papstes zu tun habe. "Ich habe gestern Abend einen ersten Blick auf das Dokument werfen können." Das könne seine Entscheidung also überhaupt nicht beeinflusst haben.

Es sei tatsächlich so, dass er nur an sein Alter gedacht habe. Man frage sich doch irgendwann: "Was machst du mit den Jahren, die dir noch bleiben?" Ein schnellerer Wechsel im Amt könne auch nicht schaden. "Zum Rücktritt hat mich niemand gedrängt." Auf die Frage, ob er nach Rom wechseln wolle, sagte Marx, er bleibe in München: "Da brauchen Sie nicht zu spekulieren."

ala/bhr/him/jpz/mxw/dpa/AFP