Besuch in Bolivien Kommt der Papst zu Burger King

Der Besuch von Papst Franziskus in Bolivien verläuft ereignisreich: Erst schenkte ihm Präsident Morales Kokablätter, dann ein Kruzifix aus Hammer und Sichel. Und vor der Messe musste sich der Pontifex in einem Fast-Food-Restaurant umziehen.

AP/dpa

Papst Franziskus guckte ziemlich entgeistert, als Boliviens Präsident Evo Morales ihm das Geschenk überreichte. Kruzifixe werden dem Oberhaupt der Katholiken zwar ständig überreicht - aber wohl noch nie ein Kreuz in der Form von Hammer und Sichel. Wollte der selbsternannte Marxist Morales den Pontifex provozieren?

"Das ist nicht gut", soll Franziskus zu Morales bei der Übergabe gesagt haben, die Worte waren aber nicht klar zu verstehen. In bolivianischen Medien wurde von einem unpassendem Geschenk gesprochen.

"Das war keine vom Papst erwartete Sache", betonte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Was Morales mit dem Geschenk bezwecken wolle, könne er nicht sagen. Aber der Hintergrund sei ein ganz anderer.

Das Kreuz ist nämlich die Replik eines Kreuzes, das der 1980 in Bolivien ermordete Jesuit Luis Espinal geschaffen hat. Der Papst hatte am Mittwoch in La Paz an einem Mahnmal an seinen mit 17 Schüssen brutal getöteten Ordensbruder erinnert. Der wollte mit dem eigenwilligen Werk auf die Notwendigkeit eines christlich-marxistischen Dialogs mit Arbeitern und Bauern hinweisen.

Schon direkt nach seiner Landung in Bolivien hatte Morales dem Pontifex ein außergewöhnliches Präsent überreicht: Kokablätter, die gegen die Höhenkrankheit in der rund 4000 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Metropole La Paz helfen sollten.

Nach wenigen Stunden machte sich der Papst aber auf ins Tiefland, nach Santa Cruz. Dort hielt er eine Messe vor Hunderttausenden Katholiken. Vorher stand Franziskus aber vor einem Problem: Er brauchte einen Ort, an dem er in sein liturgisches Gewand schlüpfen konnte.

Kurzerhand eilte der Papst in die Filiale einer Fast-Food-Kette. "Wir wurden um Hilfe gebeten, weil das ein geeigneter Ort war und wir wegen der Messe ohnehin geschlossen hatten", sagte Alfredo Troche, der Leiter des Burger-King-Restaurants.

Nach wenigen Minuten trat Franziskus in seinem blütenweißen Gewand aus dem Lokal und hielt seine Messe, in der er Konsumwahn und Materialismus geißelte.

Später sprach der Papst in Santa Cruz beim zweiten Welttreffen der Volksbewegungen. In seiner Rede bat er für alle während der Kolonialzeit im Namen der Kirche begangenen Verbrechen um Vergebung. "Ich sage Ihnen mit Bedauern: Im Namen Gottes sind viele und schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden", erklärte der Papst.

Franziskus betonte, dass er an der Seite der Volksbewegungen und armen Länder stehe im Kampf gegen neue Formen von Kolonialismus. "Der neue wie der alte Kolonialismus, der die armen Länder zu bloßen Rohstofflieferanten und Zulieferern kostengünstiger Arbeit herabwürdigt, erzeugt Gewalt, Elend, Zwangsmigrationen und all die Übel, die wir vor Augen haben."

syd/AP/dpa

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global player 10.07.2015
1.
---Zitat--- "Ich sage Ihnen mit Bedauern: Im Namen Gottes sind viele und schwere Sünden gegen die Ureinwohner Amerikas begangen worden", erklärte der Papst. ---Zitatende--- Im Namen des Kommunismus, insbesondere des Stalinismus, und des Nationalsozialismus sind ebenfalls viele Verbrechen gegen die Menschen begangen worden. Die Konsequenz war, dass man diese Ideologien und ihre Führer geächtet hat. Dasselbe müsste man doch dann folglich auch mit dieser Religion und deren Führer (Gott) tun.
heinrichc 10.07.2015
2. Schade
dass der BurgerKing der Aufmacher ist. Ein ausführlicherer Bericht über die Rede hätte gelohnt, und nicht nur über die Rede selbst, sondern auch über den Anlass. Wer mal was wirklich inspirierend und visionär "Linkes" lesen will, kann die Rede bei Radio Vatikan in der deutschen Übersetzung finden.
x33o 10.07.2015
3. Phyrussieg
Lieber global player. Alles ist möglich. Vieles ist machbar. Wenig ist sinnvoll. Denken Sie, dass man so einfach 2 Milliarden Menschen atheisieren kann ohne das es zu Problemen kommt? Recht haben ist eine Sache - Vernünftig handeln eine andere - deutlich schwierigere - Sache.
Art. 5 10.07.2015
4.
Alfredo Troche ist nicht der Leiter des Burger Kings am Platz des Erlösers in Santa Cruz sondern der Besitzer aller Burger King sowie Subway Filialen in Bolivien. Es ist da schon ironisch, dass der Papst auf dieses Aushängeschild des Kapitalismus zurückgreifen muss, um sich in ihm für eine Rede umzuziehen, die sich gegen den Kapitalismus wendet.
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