Papstgrab Nie wieder nach Polen?

Wie seine Vorgänger soll Johannes Paul II. in der Krypta des Petersdoms begraben werden. "Senso Unico", Einbahnstraße, steht auf dem Schild, das zu den Grotten unterhalb des Doms führt. Von hier führt kein Weg zurück - jedenfalls nicht für gerade verstorbene Päpste.


Petersdom: Endgültige Ruhe in einem der vielen Winkel
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Petersdom: Endgültige Ruhe in einem der vielen Winkel

Es ist eine enge Marmorstiege zu Füßen des Heiligen Andreas, in einem der Vierungspfeiler. Unten riecht es dumpf und durchaus irdisch. Man sieht die Fundamente der Konstantinsbasilika, die Kapellen der Heiligen Europas, Benedikt, Kyrill und Method. Jeder Papst hat im Tod seine Eigenart bewahrt, ist von der Nachwelt mit steinernem Kommentar beglückt worden: Paul VI. liegt unter einem schmucklosen, glattpolierten Stein, kalt und abweisend. Am Sarkophag seines Nachfolgers, des unglücklichen 33-Tage-Papstes Johannes Paul I., sind zwei fröstelnde Engel zu sehen, die Arme um sich geschlungen.

Nach seiner Aufbahrung in San Pietro wird auch Johannes Paul II. - sollte er tatsächlich eines Tages sterben - hier unten zu Grabe getragen werden, vermutlich in Nachbarschaft jener Kapelle, die der Jungfrau von Tschenstochau gewidmet ist, der polnischen Nationalheiligen. Noch ist unbekannt, ob Woityla in seinem Testament verfügt hat, in Polen beerdigt zu werden. Doch allein der neu gewählte Papst darf das Testament des alten öffnen, und weil das Oberhaupt der Katholiken qua Amt unfehlbar ist, steht es ihm frei, sich an den letzten Willen zu halten oder nicht. Es ist aber schwer vorstellbar, dass ein Global-Pope wie Johannes Paul II. in einem Flecken abseits aller Pilgerrouten zur Ruhe kommt.

"Senso unico"? Nicht ganz. Es gibt einen Weg aus der Papstgrotte zurück ans Licht, mitten unter die Besuchergruppen: die Heiligkeit. Sobald ein Papst nach langen Prüfungen heilig gesprochen worden ist, darf er in einem der vielen Winkel des Petersdoms zur dann endgültigen Ruhe kommen.

Pius XII. wartet noch darauf, seine Haltung während des Weltkriegs bedarf noch einiger Klärungen. Der ihm folgende Johannes XXIII. dagegen hat es bereits geschafft. In roten Samt und Brokat gekleidet liegt er wächsern in einem gläsernen Schneewittchensarg, mit winzigen Schuhen und einem breiten kasperlhaften Lächeln auf den Lippen. Als wolle er sagen: "Erster!"




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