Großeinsatz im Stadtzentrum Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen

Ein weltberühmtes Pariser Wahrzeichen brennt: In der Kathedrale Notre-Dame wütet ein Großbrand. Die Feuerwehr kämpft, doch der Spitzturm ist bereits eingestürzt.

FRANCOIS GUILLOT/AFP

In der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist ein Feuer ausgebrochen. Das Ausmaß des Brandes ist verheerend.

  • Der Dachstuhl - wo das Feuer offenbar bei Bauarbeiten entstand - stand lichterloh in Flammen, eine riesige weiße Rauchwolke wurde vom Wind über die Stadt getragen.
  • Der Spitzturm der Kathedrale - ein kleinerer Turm in der Mitte des Daches - brach am frühen Abend zusammen.
  • Die Struktur der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist aber laut Feuerwehr "gerettet".

Rund 400 Feuerwehrleute sind vor Ort. Sie versuchen, den Brand einzudämmen. Ein Feuerwehrmann ist laut Feuerwehrkommandant Jean-Claude Gallet bei dem Einsatz schwer verletzt worden. Über weitere Verletzte ist bislang nichts bekannt.

Die Feuerwehrbestätigte, dass die Flammen im oberen Bereich der Kathedrale wüten. Die französischen Behörden gehen davon aus, dass sie die in Flammen stehende Kathedrale vor der vollständigen Zerstörung bewahren können. Ein Vertreter der Feuerwehr sagte am späten Abend in Paris, die Gebäudestruktur sei "vor der vollkommenen Zerstörung gerettet worden". Zuvor hatte die Feuerwehr mitgeteilt, man sei sich "nicht sicher", ob die Ausbreitung des Feuers aufgehalten werden könne.

"Die Intensität des Feuers hat nachgelassen", sagte der französische Innenstaatsekretär Laurent Nuñez. Die Gefahr eines Einsturzes des nördlichen Glockenturms sei vorerst gebannt. Angesichts des Ausmaßes der Flammen rief er aber dazu auf, "extrem vorsichtig" zu bleiben.

Eine große Menge schockierter Pariser Einwohner und Schaulustiger hat sich an den Ufern der Seine versammelt. (Lesen Sie hier die Reaktionen zum Brand von Notre-Dame.)Nur wenige Autos kommen überhaupt noch durch. Polizisten riegeln nach und nach die gesamten Brücken und das gesamte Gelände um die Kirche ab und verscheuchen Schaulustige recht harsch.

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Paris: Notre-Dame brennt

Laut Feuerwehr brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Die Fassade der Kirche wurde gerade aufwändig gereinigt. Der Brand könnte nach Einschätzung der Feuerwehr mit den Arbeiten zusammenhängen. Das Feuer schien von den Baugerüsten auszugehen, die auf dem Dach installiert waren.

Die Polizei gehe bislang nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, sagte ein Sprecher der Behörde. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

"Ein schreckliches Feuer wütet in der Kathedrale Notre-Dame in Paris", teilte Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf Twitter mit. Vor Journalisten sagte sie später am Abend, die Stadt habe das Rathaus geöffnet, um Menschen aufzunehmen, die aktuell nicht in ihre Wohnungen zurückkehren könnten, und um Feuerwehrleuten einen Platz zum Ausruhen anzubieten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich erschüttert über den Brand und sagte eine für den Abend geplante Fernsehansprache ab. Der Staatschef schrieb auf Twitter, er teile die "Gefühle einer ganzen Nation". Wenig später traf er mit Premierminister Edouard Philippe in der Nähe der Kathedrale ein.

Am späten Abend zeigte er sich vorsichtig optimistisch. "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", sagte er. Das Schlimmste sei bei dem Brand verhindert worden. Der Kampf gegen das Feuer sei aber noch nicht vollständig gewonnen. Mit Blick auf das historische Bauwerk sagte der 41-Jährige: "Es ist das Epizentrum unseres Lebens."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Edouard Philippe (l.)
PHILIPPE WOJAZER / POOL / AFP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Edouard Philippe (l.)

Notre-Dame ist eine der Pariser Top-Touristenattraktionen und wird jährlich von fast 13 Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité, einer Insel in der Seine.

Amateurvideos zeigen Großbrand:

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Die Geschichte der Notre-Dame reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. (Lesen Sie hier mehr zur Geschichte der Notre-Dame.)

Witterung und Luftverschmutzung setzten dem Baudenkmal zuletzt schwer zu. An vielen Stellen bröckelt die Bausubstanz - und das vom Staat bereitgestellte Unterhaltsbudget reicht nicht für eine umfassende Sanierung, deshalb war vor einiger Zeit eine kirchliche Spendenaktion auf den Weg gebracht worden.

sen/Reuters/dpa/AFP

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