Paris Was wir bisher über den Brand wissen

Es waren dramatische Bilder: In der Nacht brannte die Pariser Kathedrale Notre-Dame, der Spitzturm stürzte ein. Inzwischen ist das Feuer gelöscht. Was zum Brand bekannt ist - im Überblick.

Notre-Dame nach dem Brand
Benoit Tessier/ REUTERS

Notre-Dame nach dem Brand


Was ist passiert?

Der verheerende Brand brach nach Angaben der Feuerwehr am Montag gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale Notre-Dame aus. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Stundenlang schlugen Flammen in den Himmel, der Wind trug eine große weiße Rauchwolke über die Stadt. 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Der Spitzturm, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, brach infolge des Großfeuers zusammen. Danach seien Leute aus dem Inneren abgezogen worden, wie ein Feuerwehrsprecher sagte, und man habe einen Roboter eingesetzt.

Inzwischen ist das Feuer nach Angaben der Feuerwehr vollständig gelöscht. Zwischendrin hatten Einsatzkräfte befürchtet, das gesamte Gebäude könnte einstürzen. Priorität bei dem Einsatz sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte der Sprecher.

Auf Löschflugzeuge wurde verzichtet, da dies zum Einsturz des Gebäudes hätte führen können. Das schrieb der französische Zivilschutz am Montagabend auf Twitter und reagierte damit auf einen Tweet des US-Präsidenten Donald Trump. Der hatte vorgeschlagen, Löschflugzeuge einzusetzen.

IAN LANGSDON/ EPA-EFE/ REX

Wie ist die Lage am Tag danach?

Wie Laurent Nuñez, Staatssekretär im französischen Innenministerium, dem Sender BFM TV am Dienstagmorgen sagte, sind noch immer rund hundert Feuerwehrleute im Einsatz. Nach ersten Erkenntnissen wurden bei dem Großeinsatz drei Menschen - zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann - leicht verletzt.

Wie die Struktur des Gebäudes dem schweren Brand standhalte, müsse man nun schauen, sagte Staatssekretär Nuñez. Experten würden nun darüber beraten, ob Notre-Dame stabil sei und wie die weiteren Schritte der Feuerwehr aussähen.

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Feuer in Notre-Dame: Der Kampf gegen die Flammen

Was wurde zerstört?

Dramatisch - so nannte ein Feuerwehrsprecher die Schäden an der Kathedrale. Demnach zerstörte der Brand weite Teile des Dachs. Auch im Inneren wütete das Feuer, Kirchenfenster gingen zu Bruch. Das genaue Ausmaß der Zerstörungen ist noch nicht abzusehen.

Bertrand de Feydeau, ein französischer Experte zum Thema Kulturerbe, sagte dem Radiosender France Info am Dienstagmorgen, das Dach der Kathedrale könne nicht mehr so aufgebaut werden wie vor dem Brand. Er begründete dies damit, dass man "auf unserem Territorium derzeit keine Bäume von der Größe" habe, "die im 13. Jahrhundert gefällt wurden". Mehr zur Geschichte der Notre-Dame erfahren Sie hier.

Was konnte gerettet werden?

Intakt blieben die Struktur der Kathedrale und die Fassade mit den beiden berühmten Türmen. Zudem konnte offenbar ein Großteil der Kunstschätze und Reliquien aus der brennenden Kathedrale gerettet werden: Die für Katholiken wichtige Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, und andere Gegenstände seien im Pariser Rathaus untergebracht worden, sagte Frankreichs Kulturminister Franck Riester.

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Notre-Dame: Sorge um die Schätze der Kathedrale

Was ist über die Brandursache bekannt?

Zum Zeitpunkt des Brandes fanden aufwendige Reinigungsarbeiten an der Fassade der Kathedrale statt. Nach Einschätzung der Feuerwehr könnte der Brand mit diesen Arbeiten zusammenhängen. Das Feuer schien von den Gerüsten auszugehen, die auf dem Dach angebracht waren.

Zum Brand ermittelt nun die Pariser Staatsanwaltschaft. Wie ein Sprecher sagte, gehe es dabei um eine "unbewusste Zerstörung" durch Feuer. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede.

Welche Pläne gibt es für den Wiederaufbau?

"Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen", versprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am späten Montagabend. Er kündigte eine nationale Spendenaktion an. Macron sagte, das Schlimmste sei verhindert worden. EU-Ratspräsident Donald Tusk rief die EU-Mitgliedstaaten zur Hilfe beim Wiederaufbau auf. "Ich weiß, dass Frankreich das allein machen könnte, aber hier geht es um mehr als nur materielle Hilfe", sagte er.

Eine internationale Geberkonferenz soll für den angestrebten Wiederaufbau Geld sammeln, verkündete die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, über ihren Twitter-Account.

Die Milliardärsfamilie Pinault kündigte an, 100 Millionen Euro bereitzustellen. Der Milliardär Bernard Arnault gab an, 200 Millionen Euro spenden zu wollen. Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber bekannt. Auch die Unesco stellte Unterstützung in Aussicht.

skr/wit/AFP/AP/dpa

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Seite 1
MikeyHa 16.04.2019
1. Zufall?
Die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem brannte ebenfalls Montagabend gegen 19 Uhr bei großer Rauchentwicklung aber geringem Schaden. https://twitter.com/Mansorryaan/status/1117882603116421120
Markstein 16.04.2019
2. Wir wissen u.a. auch ...
Wir wissen u.a. auch, dass die sog. Qualitätsmedien zunächst über Winterkorn und den weiteren Verlauf der Dieselaffäre berichteten, um sich sodann wohlwollen damit zu befassen, dass die Betreuer von geistig behinderten Menschen jetzt 2x wählen dürfen, um dann endlich zu entdecken, dass Notre Dame de Paris in hellen Flammen steht. Schade um die Gebühren weiterhin.
Wohngebietsuwe 16.04.2019
3.
Zitat von MikeyHaDie Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem brannte ebenfalls Montagabend gegen 19 Uhr bei großer Rauchentwicklung aber geringem Schaden. https://twitter.com/Mansorryaan/status/1117882603116421120
Bei mir ist zu dem Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, der Kartoffeltopf auf meinem Gasherd übergekocht. Aliens, die überall mit Feuer experimentieren?
christoph_schlobies 16.04.2019
4. Da werden sich wohl diverse Leute als Brandstifter outen .
Da werden sich wohl diverse Leute als Brandstifter outen . Da man offiziell diese alle als Trittbrettfahrer bezeichnen wird,werden wir kaum die Wahrheit erfahren.-Wäre es ein Anschlag ,würde die Luft brennen.
m.klagge 16.04.2019
5. @ MickeyHa
Aha. Warum lesen sie Zeitung wenn sie Twitter haben? Und wo ist der Link zu einer wenigstens andeutungsweise seriösen Meldung? Und selbst wenn's stimmen sollte, es ist der gleiche dämliche neolithische Donnergott. Viel wichtiger sind die kulturellen Werte.
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