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30. April 2004, 09:14 Uhr

Peggy-Mordprozess

Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Hofer Landgericht hat den geistig zurückgebliebenen Ulvi K. im Prozess um die Ermordung der neunjährigen Peggy zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht ordnete zugleich die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.



Ulvi K. im Gerichtssaal: Lebenslange Haft und Unterbringung in der Psychiatrie
DDP

Ulvi K. im Gerichtssaal: Lebenslange Haft und Unterbringung in der Psychiatrie

Hof - Der 26-jährige Hilfskellner hat nach Überzeugung des Gerichts vor rund drei Jahren die damals neunjährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule ermordet. Der Vorsitzende Richter Georg Hornig sagte, der 26-Jährige werde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, weil die Gefahr bestehe, dass er weitere Taten begehe.

"Die Kammer ist überzeugt, dass er die Tat begangen hat", sagte der Vorsitzende Richter in seiner mehr als einstündigen Urteilsbegründung. K. habe Peggy erwürgt, weil er Angst gehabt habe, sie könne eine vorangegangene Vergewaltigung verraten. Erst habe er sich entschuldigen wollen. Als Peggy aber von ihm davon gelaufen sei, habe er den Entschluss gefasst, das Mädchen zu töten, sagte Hornig.

Als besonders überzeugend wertete das Gericht die plastische Schilderung des Angeklagten von dem mutmaßlichen Geschehen am 7. Mai 2001. Ulvi K. habe beschrieben, wie Peggy über einen Stein gestolpert sei, wie er sie an einem Treppenabsatz einholte, mit welcher Hand er ihr den Mund zuhielt. "Der Stein gehört zum Kerngeschehen gar nicht dazu, die Erfindung solcher Details ist sehr unwahrscheinlich", sagte Hornig.

Der Verteidiger habe vergeblich versucht, den Angeklagten als Märchenerzähler darzustellen, der sich regelmäßig Geschichten ausdenke. Der Richter stufte das Geständnis des Angeklagten, das er später widerrufen hatte, trotzdem als glaubwürdig ein. Es sei rechtmäßig zu Stande gekommen. Gegen die Vernehmungsmethoden der Polizei sei nichts einzuwenden gewesen.

Von der Leiche des Kindes fehlt bis heute jede Spur. In dem auf Indizien gestützten Prozess hatte die Verteidigung auf Freispruch plädiert - es gebe keine Beweise, keine Zeugen und keine Leiche.

Der Angeklagte hatte in der Hauptverhandlung ausgesagt, er habe das Geständnis nur abgelegt, weil er "seine Ruhe haben" wollte. Das sei aber nur eine Schutzbehauptung. Der Richter betonte: "Der Angeklagte hatte das passende Motiv."

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