Rassismusvorwürfe Pepsi zieht Werbespot von Rapper zurück

Vorurteile gegen Schwarze? Hihi. Gewalt gegen Frauen? Ach, wie lustig. Der Brausegigant Pepsi hat einen vermeintlich witzigen Werbespot zurückgezogen. Entwickelt hatte ihn der Rapper Tyler, the Creator. Der muss sich jetzt ebenso entschuldigen wie der Getränkekonzern.

YouTube/ Mountain Dew

New York - Wer unbedingt witzig sein will, ist bestenfalls unfreiwillig komisch - und überschreitet oft genug die Grenze zwischen hip und vollkommen daneben. Das merkt derzeit der Getränkegigant PepsiCo. Das Unternehmen steht wegen eines Werbespots für seine Limonade Mountain Dew in der Kritik.

Der Spot war Teil einer Kampagne, die der Rapper Tyler, the Creator entwickelt hatte. Das Filmchen zeigt eine Gegenüberstellung bei der Polizei. Die Bösewichte sind fünf Afroamerikaner und eine Ziege. Eine weiße Frau auf Krücken, mit Halskrause und Schürfwunden im Gesicht und blauem Auge soll den Übeltäter nennen.

Die Ziege spricht eine Reihe von Drohungen gegen die Frau aus: "Halt die Schnauze", "Du verpfeifst mich besser nicht" oder "Wenn ich hier rauskomme, mach ich dich fertig". Die Frau wird zunehmend nervös und ruft schließlich mehrmals: "Ich kann das nicht, nein, nein, nein!" Der entnervte Polizist nimmt einen Schluck Mountain Dew und sagt: "Sie muss es einfach tun" - auf Englisch "Do it", eine Anspielung auf den Slogan "Dew it".

Der Clip war der dritte von dem Rapper entworfene Werbespot. Im ersten hatte die Ziege eine Kellnerin angegriffen, als diese nicht genug Mountain Dew brachte. Im zweiten flüchtet das Tier vor der Polizei.

Wie PepsiCo annehmen konnte, dass stereotype Darstellung von Schwarzen und Gewalt gegen Frauen für einen lustigen Werbespot taugen, bleibt wohl für immer ein Geheimnis. Eine Konzernsprecherin wollte nicht sagen, wer den Werbefilm abgesegnet hatte - nur so viel: Der Spot sei nie fürs Fernsehen gedacht gewesen.

Nun ist das Unternehmen damit beschäftigt, Schadensbegrenzung zu betreiben: "Wir entschuldigen uns für dieses Video und übernehmen die volle Verantwortung", ließ PepsiCo verlauten. Der Konzern habe von seinen Kundenbetreuern erfahren, manche Menschen fänden den Spot beleidigend - und man könne verstehen, warum.

Auch Werbeträger Lil Wayne in der Kritik

Der Konzern hätte sich vielleicht schon bei der Wahl seines VIP-Werbeträgers fragen können, ob dieser massenkompatibel sind. Texte von Tyler, the Creator wurden schon öfter als frauen- und schwulenfeindlich kritisiert. Seine Firma gab eine Erklärung ab, der Rapper habe niemanden beleidigen wollen; der Spot sei "aus dem Zusammenhang gerissen" worden. Die fünf verdächtigen Schwarzen seien seine Freunde. "Es war einfach eine zugegebenermaßen absurde Geschichte, die niemals dazu bestimmt war, ernst genommen zu werden."

Für PepsiCo kommt die Diskussion derzeit besonders ungünstig. Ein weiterer prominenter Werbeträger, Rapper Lil Wayne, steht ebenfalls in der Kritik. Er hatte in seinen Texten sexuelle Handlungen mit dem Mord an Emmett Till verglichen. Till, ein schwarzer Teenager, war 1955 in Mississippi gefoltert und gelyncht worden, weil er angeblich einer weißen Frau hinterhergepfiffen haben soll.

ulz/AP



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.