Peru Mindestens 47 Tote bei Erdbeben

Ein schweres Erdbeben hat im Süden Perus mindestens 47 Menschen das Leben gekostet, mehrere hundert wurden verletzt. Experten warnen vor Flutwellen.


Peru: Erdbeben richtete verheerende Schäden an
EPA/DPA

Peru: Erdbeben richtete verheerende Schäden an

Lima - Dutzende Häuser, Kirchen und Gebäude wurden zerstört. Besonders betroffen war die Millionenstadt Arequipa in den Anden, die zweitgrößte Stadt des Landes. Hunderte Menschen erlitten Verletzungen. Das Tsunami-Zentrum in Hawaii warnte vor großen Flutwellen an der Pazifikküste von Chile bis Mexiko als Folge des Bebens. Das einminütige Beben vom Samstagnachmittag hatte eine Stärke von 7,9, wie die US-Erdbebenwarte in Colorado mitteilte.

Der Erdstoß war bis nach Bolivien zu spüren. Sein Zentrum lag rund 190 Kilometer westlich von Arequipa im Pazifischen Ozean. Nach Angaben des peruanischen Katastrophenschutzes starben in Arequipa 21 Menschen, 200 wurden verletzt. 16 Menschen starben in Monquegua, neun in Tacna nahe der Grenze zu Chile, einer starb in dem Küstenort Camana.

Auch in Nordchile gab es noch mindestens 30 Verletzte. In den Trümmern viele Häuser wurde noch nach Opfern gesucht. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte nach Angaben eines Sprechers zunächst keine Erkenntnisse, dass Deutsche betroffen sein könnten.

Es gab mindestens 20 Nachbeben. Das Geophysikalische Institut von Peru widersprach aber den Berichten über Flutwellen, nachdem viele Bewohner der Hafenstadt Callao den Ort in Panik verlassen hatten. Aus Furcht vor weiteren Beben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien. Dies galt auch für das rund 2400 Meter hoch gelegene Arequipa, eine im August 1540 von den spanischen Eroberern gegründete Stadt, in der zurzeit Winter ist.

Der peruanische Katastrophenschutz schickte zwei Flugzeuge mit Decken, Nahrungsmitteln und Medikamenten in die Region. Der neugewählte Präsident Alejandro Toledo, der am 28. Juli das Amt übernimmt, sagte einen Besuch in den USA ab und wollte am Sonntag in das 750 Kilometer südöstlich von Lima gelegenen Arequipa fliegen.

Auch das Ausland reagierte sofort. Die Schweiz schickte umgehend ein fünfköpfiges Team von Spezialisten in das Erdbebengebiet. Zwei von ihnen sind bereits in Ecuador und Nicaragua tätig und sollten von dort nach Peru fliegen. Das katholische Hilfswerk Misereor richtete einen Soforthilfefonds über 50.000 Mark ein und bat um Spenden, um den Menschen in Peru helfen zu können.

Arequipa wurde 1600 durch ein Erdbeben völlig zerstört. Weitere schwere Beben folgten 1687, 1868, 1958 und 1960. Wegen der zahlreichen spanischen Kolonialbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird Arequipa auch "Die weiße Stadt" genannt. Im vergangenen Jahr wurde die Stadt von der UN-Kulturorganisation Unesco zum Teil des Welterbes erklärt.



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