Peru Nachbeben sorgen für Panik

In Peru besteht kaum noch Hoffnung, Überlebende des Erdbebens von Mittwoch zu finden. Experten befürchten den Ausbruch von Epidemien. Zigtausende Menschen campieren bei winterlichen Temperaturen im Freien. Vielerorts kommt es zu Plünderungen in den verlassenen Häusern.


Lima- Die Lage für die Überlebenden des Erdbebens wird immer verzweifelter. Nachbeben versetzen die Menschen immer wieder in Panik. Die Zahl der Toten wird inzwischen mit mindestens 510 angegeben, mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt. Fast 17000 Gebäude sind amtlichen Angaben zufolge eingestürzt. Allein im Department Ica und der Hauptstadt Lima wurden mehr als 85000 Bewohner obdachlos. Vielerorts kam es zu Plünderungen.

Pisco: Verzweifelte Überlebende vor einem eingestürzten Haus
AP

Pisco: Verzweifelte Überlebende vor einem eingestürzten Haus

Die Chancen, noch Überlebende zu finden, seien zwei Tage nach dem Hauptbeben praktisch gleich null, sagte Feuerwehrsprecher Roberto Ognio. Nun gehe es auch darum, durch die schnelle Bergung der Leichen den Ausbruch von Epidemien zu verhindern. Die Hafenstadt Pisco sowie die Provinzhauptstadt Ica sind noch immer ohne Strom und Trinkwasser.

Die Bewohner des Katastrophengebiets werden derweil von neuen heftigen Nachbeben in Angst und Schrecken versetzt. Das stärkste erreichte einen Wert von 5,9. Nach dem ersten Erdstoß der Stärke 8,0 am Mittwochabend gab es noch mindestens 18 weitere Beben mit einem Wert über 5,0 sowie zahlreiche schwächere Nachbeben. Viele Menschen wagen sich nicht mehr in ihre Häuser zurück, da sie einzustürzen drohten. Sie campieren im Freien.

Über eine Luftbrücke liefen Hilfsmaßnahmen in größerem Umfang an. Auch ohne besondere Anforderung habe die internationale Gemeinschaft sofort reagiert, betonte der peruanische Präsident Alan Garcia bei einem Besuch in der zu 85 Prozent zerstörten Hafenstadt Pisco. Er flog dann per Hubschrauber weiter in die Oasenstadt Ica, wo jedes vierte Haus eingestürzt war.

Garcia appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und auf Hilfe zu warten. "Niemand wird verhungern oder verdursten", sagte der Präsident und versprach eine Rückkehr zur Normalität binnen zehn Tagen, auch wenn der Wiederaufbau länger dauern werde.

Die EU, die USA und die Vereinten Nationen lieferten Zelte, Wasser, Medizin und andere Versorgungsgüter. Das Welternährungsprogramm (WFP) begann mit der Verteilung von Lebensmitteln im Wert von 500.000 Dollar. Das Weltkinderhilfswerk (Unicef) rief zu Spenden auf. Mehrere zehntausend Familien brauchten dringend Hilfe, erklärte die Organisation. Unicef habe Wasserbehälter sowie Geräte und Chemikalien zur Trinkwasseraufbereitung zur Verfügung gestellt. Außerdem seien 100.000 Pakete mit Medizin verteilt worden, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen. Darüber, dass auch Deutsche von den Erdbeben in Peru betroffen sind, gibt es dem Auswärtigen Amt zufolge bislang keine Erkentnisse.

Schon 24 Stunden nach dem ersten Erdstoß sank laut Gesundheitsminister Carlos Vallejos die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden. Gleichwohl retteten Feuerwehrleute am Donnerstagabend noch einen Mann aus einem eingestürzten Haus. Unter den Trümmern der Kirche San Clemente in Pisco wurden rund 200 Menschen begraben, die sich am Mittwochabend zum Feiertag Mariä Himmelfahrt zu einer Messe versammelt hatten.

In der Kleinstadt Chincha flohen fast 600 Häftlinge aus einem Gefängnis, das bei dem Erdbeben zerstört wurde. Vorerst wurden nach Angaben der Justizbehörden nur 29 von ihnen gefasst.

Eine Flutwelle des Bebens vom Mittwochabend traf heute an der japanischen Küste ein. Hohe Wellen erreichten die Küste bei Miyako, 500 Kilometer nordöstlich von Tokio, wie der japanische Wetterdienst mitteilte. In Erwartung der Welle bestand für die gesamte japanische Pazifikküste von Hokkaido bis Okinawa zeitweise eine Tsunami-Warnung.

Einen Tag nach der Katastrophe in Peru wurde auch Indonesien von einem schweren Erdstoß erschüttert. Dieser erreichte eine Stärke von 6,2, wie die Erdbebenwarte in Jakarta mitteilte. Informationen über Schäden oder Opfer lagen zunächst nicht vor.

Dem US-Institut für geologische Überwachung zufolge lag das Epizentrum des bebens im Meer vor der Küste Perus etwa 150 Kilometer südwestlich von Lima in 30 Kilometer Tiefe. Es war das schwerste Beben in Peru seit 30 Jahren. Bei einem ähnlich schweren Beben waren in Peru 1970 rund 70.000 Menschen ums Leben gekommen.

esp/AP/dpa



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