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22. Januar 2004, 09:18 Uhr

Pfändung der Strauß-Gruft

Kuckuck weg, Stoiber erleichtert

Die Familiengruft von Marianne und Franz Josef Strauß, die zur Hälfte dem in einem Steuerprozess angeklagten Sohn Max gehört, wird doch nicht gepfändet. Bayerns Ministerpräsident Stoiber, der schon vor Wochen von der geplanten Pfändung erfahren hatte, begrüßte jetzt, dass die Totenruhe seines Vorvorgängers ungestört bleibt.

Erleichtert: Ministerpräsident Stoiber
MARCO-URBAN.DE

Erleichtert: Ministerpräsident Stoiber

München - "Ich halte es ganz generell für notwendig, Gräber aus Gründen der Pietät von solchen Zwangsmaßnahmen auszunehmen", sagte Edmund Stoiber (CSU). Für jeden Verstorbenen gelte, dass die Totenruhe geachtet werden solle, sagte Stoiber. "Hier muss mit staatlichen Zwangsmaßnahmen Schluss sein."

Im Zusammenhang mit dem Augsburger Steuerstrafprozess gegen Max Strauß, 44, den ältesten Sohn des 1988 gestorbenen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Franz Josef Strauß, war die Familiengruft im oberbayerischen Rott am Inn gepfändet worden. Mit einer umfangreichen Pfändungsliste einschließlich des Gruft-Grundstückes sollten Forderungen des Fiskus auf Steuernachzahlungen abgesichert werden. Nach massiven Protesten führender CSU-Politiker hatte das Münchner Zentralfinanzamt die Gruft am Mittwoch aus dem Pfändungsverfahren wieder herausgenommen.

Gruft der Familie Strauß
DPA

Gruft der Familie Strauß

Auch Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) begrüßte die Aufhebung der Gruft-Pfändung. Er sei sehr froh, dass eine Lösung gefunden worden sei, die den Gefühlen der Familie Strauß ebenso gerecht werde wie den Belangen des Fiskus, erklärte Faltlhauser in München. Das Zentralfinanzamt München und Werner Wenzel, der Anwalt von Max Strauß, hätten sich verständigt, dass die Gruft aus dem Pfändungsverfahren gegen Max Strauß herausgenommen werde.

Nach Bekanntwerden der Pfändung hatte Faltlhauser bereits versichert, dass diese auf keinen Fall vollstreckt werde. Diese eindeutige Klarstellung von Faltlhauser sei "absolut notwendig und richtig" gewesen, erklärte Stoiber. Eine Vollstreckung der Pfändung hätte möglicherweise auch eine Zwangsversteigerung des kleinen Grundstückes mit der Gruft und dem Leichnam von Strauß bedeuten können.

Stoiber mit Ziehvater Strauß (1980)
DPA

Stoiber mit Ziehvater Strauß (1980)

Stoiber wusste schon seit einiger Zeit von der geplanten Pfändung, bestätigte die Sprecherin der bayerischen Staatskanzlei, Dorothee Erpenstein, einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Erpenstein teilte gestern Abend mit: "Der Ministerpräsident hat vor einigen Wochen in einem persönlichen Gespräch von Frau Hohlmeier erfahren, dass das Grab ihrer Eltern gepfändet werden solle." Stoiber sei "über diese mögliche Pietätlosigkeit verwundert" gewesen. Die Strauß-Tochter und bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) habe Faltlhauser auf die Grabpfändung selbst ansprechen wollen, sagte Erpenstein.

Der Politikersohn Max Strauß muss sich seit vergangenem Dienstag vor dem Landgericht Augsburg verantworten. Er soll von dem Waffenhändler Karlheinz Schreiber millionenschwere Provisionszahlungen erhalten und zwischen 1991 und 1993 die dafür fälligen 1,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben.

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