Philippinen 70 Menschen sterben bei Hotelbrand

Vergitterte Fenster und ein fehlender Feueralarm haben dafür gesorgt, dass sich ein Hotelbrand in Manila zur Katastrophe ausweiten konnte. Die meisten Opfer sind offensichtlich in ihren Zimmern erstickt.


Manila - Bei einem Hotelbrand auf den Philippinen sind am frühen Samstagmorgen nach offiziellen Angaben 70 Menschen ums Leben gekommen. 18 Menschen konnten aus dem brennenden sechsgeschossigen Gebäude des Manor Hotels in Quezon, einer Vorstadt von Manila, gerettet werden.

Hotel in Manila: Völlig ausgebrannt
REUTERS

Hotel in Manila: Völlig ausgebrannt

Exakt 79 Menschen wurden Stunden später noch vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass sie sich gerettet haben. Mögliche Brandursache war nach ersten Ermittlungen eine defekte Stromleitung im dritten Stock.

62 der offiziell bestätigten Opfer wurden in dem Hotel gefunden. Acht weitere Personen, darunter ein dreijähriges Kind, starben laut Polizeiangaben in verschiedenen Krankenhäusern. Mindestens zwei Frauen schwebten noch in Lebensgefahr.

Die Katastrophe hatte die 172 Hotelgäste im Schlaf überrascht. Überlebende berichteten, sie hätten keinen Alarm gehört. "Als ich aufwachte, war überall schon dicker Rauch und es war sehr dunkel", sagte ein Verletzter im Krankenhaus.

Mögliche Brandursache war nach ersten Ermittlungen eine defekte Stromleitung im dritten Stock. Ein Wachmann sagte, es habe vor dem Ausbruch des Feuers eine Explosion gegeben. Die Flammen hätten sich schnell nach oben ausgebreitet, hieß es weiter. Das Feuer war nach mehr als zwei Stunden gelöscht.

Bürgermeister Belmonte machte für die hohe Opferzahl die offenkundige Verletzung von Sicherheitsvorschriften verantwortlich. Wachmänner hätten Warnschüsse abgeben müssen, um die Hotelgäste zu wecken.

Die Rettungskräfte mussten Eisengitter vor einigen Fenstern wegsägen, um Gäste aus dem Hotel zu befreien. Es habe zu wenige Notausgänge gegeben. Zudem seien die Fluchtwege zu eng gewesen, hieß es. Auch seien Notausgänge blockiert gewesen.

Die meisten Opfer seien in ihren Zimmer durch das Feuer eingeschlossen worden und erstickt, berichtete die Polizei. "Die Körper waren nicht verbrannt. Einige Opfer hatten sich eng umschlungen", sagte Polizeichef Francisco Senot. Mindestens zwei Männer seien gestorben, als sie auf der Flucht vor den Flammen von dem Gebäude gesprungen seien.

Ob mehrere ausländische Touristen betroffen waren, war zunächst unbekannt. Unter den Geretteten war ein US-Bürger. Die meisten Gästen gehörten einer christlichen Religionsgemeinschaft an, die zu einem Treffen nach Quezon gekommen waren.

Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo entsandte Innenminister Jose Lina zum Unglücksort. Der Feuerwehrchef sei vorübergehend seines Amtes enthoben worden, um eine objektive Untersuchungen des Unglücks zu gewährleisten, sagte Lina. Die Baugenehmigung und andere wichtige Dokumente würden bereits überprüft.

Im März 1996 waren bei einem Diskothekenbrand in der Stadt 161 Menschen getötet worden. Danach waren Baugenehmigungen und die Einhaltung der Brandschutzbestimmungen in Quezon genau unter die Lupe genommen worden.



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