Philippinen Blutiger Anschlag auf Kaufhaus

Ein Bombenanschlag auf ein Kaufhaus in der südphilippinischen Stadt General Santos hat am Sonntag mindestens 14 Menschen das Leben gekostet und etwa 50 wurden verletzt. In schneller Folge explodierten zwei weitere Bomben.


Manila - Die weiteren Sprengsätze detonierten vor einer Radiostation und einer Bushaltestelle. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. Die Polizei erklärte, sie habe einen anonymen Anruf erhalten, wonach 18 Bomben in der Stadt verteilt worden seien.

Stadtrat Eduardo Leyson erklärte, die Bombe sei etwa zehn Meter vor dem Kaufhaus Gensan Fitmart explodiert. Der Sprengkörper sei in einem Dreirad-Taxi vor dem Kaufhaus im Stadtzentrum versteckt gewesen. Die Detonation zerstörte die Fensterscheiben des Gebäudes, Blutlachen waren auf dem Parkplatz zu sehen. Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Bei den meisten Toten handelte es sich offenbar um Taxifahrer, Kunden und Passanten. Die zweite Bombe explodierte etwa eine halbe Stunde später vor einem Büro des Senders Radio Mindanao Network, die dritte folgte kurze Zeit später. Nach Polizeiangaben wurden zwei nicht explodierte Bomben unter einem Lastwagen vor dem Kaufhaus entdeckt und kontrolliert zur Explosion gebracht.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. In der Vergangenheit hatten die Behörden die extremistischen muslimischen Gruppen Abu Sayyaf oder Islamistische Befreiungsfront Moro verantwortlich gemacht. General Santos ist hauptsächlich von Christen bewohnt. Die Stadt ist etwa 220 Kilometer von der Insel Basilan entfernt, wo zurzeit etwa 160 amerikanische Elitesoldaten die philippinischen Truppen für den Kampf gegen den Terrorismus schulen.

Die Behörden vermuten hinter den Anschlägen unter anderem die bislang kaum in Erscheinung getretene Guerillagruppe Bundesarmee der Eingeborenen Völker (IPFA). Die Gruppe fordert die Dreiteilung des Landes in Gebiete für Urvölker, Moslems sowie Christen und hatte sich im vergangenen Monat zu mehreren Bombendrohungen in der Hauptstadt Manila und weiteren Großstädten bekannt. Im Visier der Fahnder sind zudem Anhänger eines mutmaßlichen indonesischen Terroristen, den vergangenen Woche ein Gericht in General Santos wegen Sprengstoff- Besitzes zu mindestens zehn Jahren Gefängnis verurteilt hatte.



Zusammenhang mit US-Manöver?

Unterdessen bereiteten sich amerikanische Marineinfanteristen auf der ehemaligen US-Marinebasis Subic auf ein dreiwöchiges Manöver mit den philippinischen Streitkräften vor. Die Übung sollte am Montag beginnen, daran beteiligen wollten sich insgesamt 2.700 amerikanische und 2.900 philippinische Soldaten. Die philippinischen Streitkräfte wollen mit dem Manöver ihre Verteidigung verbessern und die Beteiligung an US-Friedensmissionen üben.

Einen Tag vor Beginn des gemeinsamen Manövers trafen am Sonntag 624 weitere US-Truppen auf der nordphilippinischen Hauptinsel Luzon ein. Am Samstag waren auf der südlichen Insel Basilan 340 US-Soldaten gelandet. Die 280 Pioniere und 60 Marineinfanteristen sollen ihre 160 Kameraden verstärken, die dort bereits seit Januar die philippinische Armee im Kampf gegen die militante Moslemgruppe Abu Sayyaf ausbilden. Das Manöver auf Luzon zielt hingegen auf die Abwehr von Angriffen anderer Staaten, wie es offiziell hieß.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.