Philippinische Flutkatastrophe Angst vor Seuchen wächst

Die Zahl der Opfer der Naturkatastrophe auf den Philippinen steigt weiter. Mehr als 900 Menschen sind bei den Überschwemmungen in den Tod gerissen worden. Hunderte gelten noch als vermisst. Zudem geht in der Region das Trinkwasser aus, die Seuchengefahr nimmt zu.

Küstenort Iligan: Philippinische Behörden bereiten Massenbestattungen vor
REUTERS

Küstenort Iligan: Philippinische Behörden bereiten Massenbestattungen vor


Manila - Nach der Flutkatastrophe auf den Philippinen bereiten die Behörden Massenbestattungen vor. Die Leichen müssten schnell beigesetzt werden, da sie für die Überlebenden eine Gesundheitsgefahr seien, teilten die Behörden der am schwersten betroffenen Küstenorte Iligan und Cagayan de Oro am Montag mit. Bei der Überschwemmungskatastrophe im Süden der Philippinen sind mindestens 927 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte gelten noch als vermisst. Das gaben das philippinische Amt für Zivilschutz und das Rote Kreuz am Montag bekannt.

Die Zahl der Vermissten gab das Rote Kreuz mit 900 an, die Suche nach Überlebenden geht weiter. Viele Leichenhäuser sind überfüllt, es gibt nicht genug Särge für all die Toten. In Cagayan de Oro wurden laut Bürgermeister Vicente Emano die Toten in Leichensäcken vor Beerdigungsinstituten gestapelt. "Wir werden die Leichen einfrieren lassen, damit sie vor der Beisetzung identifiziert werden können", sagte Gesundheitsminister Enrique Ona. So solle auch die Gefahr von Seuchen gebannt werden. Zudem geht in der Region das Trinkwasser aus, die Angst vor möglichen Seuchen wächst. Hilfsorganisationen wie die Malteser riefen zu Spenden auf.

Viele Menschen suchen verzweifelt nach ihren Angehörigen. Sie kämpfen sich durch oft hüfthohen Schlamm. Umgestürzte Bäume und zerstörte Häuser behindern die Rettungsarbeiten. Viele Straßen sind von Erdrutschen verschüttet. Helfer haben viele Ortschaften noch gar nicht erreicht. "Wir haben schon erlebt, dass wir acht oder zehn Tage später einen Überlebenden gefunden haben", sagte Zivilschutzleiter Benito Ramos. Deswegen habe man die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Gestank von verwesten Leichen und Tierkadavern

Bewohner kehren in zerstörte Orte zurück und versuchen, Überbleibsel ihres Hab und Guts zu retten. Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, ihnen ist nichts geblieben. Flüchtlinge werden in Kirchen und auf Sportplätzen notdürftig untergebracht. In den überfüllten Notlagern müssen die Menschen auf dem Boden schlafen. Es mangelt an sanitären Einrichtungen und Trinkwasser. Das Rote Kreuz warnt vor Durchfallerkrankungen. Auch bestehe wegen der vielen Menschen auf engem Raum die Gefahr von Atemwegserkrankungen, hieß es.

Allein in Cagayan de Oro und Iligan in der Region Mindanao wurden 625 Menschen getötet. In anderen Provinzen kamen weitere Menschen ums Leben. Die Helfer hätten den Überblick über die genaue Zahl der Vermissten verloren, sagte Ramos. In dem Katastrophengebiet mache sich der Gestank von verwesten Leichen und Tierkadavern breit.

Hilfsorganisationen und Behörden schicken Trinkwasser in die Gebiete, weil dort die Vorräte ausgehen. Die Fluten beeinträchtigen die Wasserversorgung in dem Großraum Cagayan de Oro. Ein Wasserwerk sei zerstört, sagte eine Sprecherin der Wasserbehörde.

Der Tropensturm "Washi" war in der Nacht zu Samstag über die Insel Mindanao 800 Kilometer südlich von Manila gefegt. Zwölf Stunden Dauerregen ließen die Flüsse anschwellen. In der Nacht trat das Wasser über die Ufer und rauschte teils meterhoch durch die Straßen und Ortschaften. Die meisten Opfer wurden im Schlaf überrascht. Solche Naturkatastrophen sind auf Mindanao weitgehend unbekannt. Tropenstürme treffen die Philippinen jedes Jahr, aber in der Regel viel weiter nördlich.

wit/dpa/AFP



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