Pilot über die Horrorlandung "Der Anflug war anspruchsvoll"

Im Landeanflug auf Hamburg geriet seine Maschine in Turbulenzen, ein Flügel berührte den Boden, doch Lufthansa-Pilot Oliver A. behielt die Nerven. Mit einem gekonnten Manöver verhinderte der 39-Jährige die Katastrophe. Jetzt übt sich der Held in Bescheidenheit.

Hamburg - Die Worte des Mannes, der 137 Menschen das Leben rettete, könnten nüchterner kaum sein: "Der Anflug war anspruchsvoll aufgrund des Windes. Beim Aufsetzen drückte eine Böe die linke Tragfläche Richtung Boden. Wir leiteten sofort das Durchstarten ein - ein Verfahren, das in der Ausbildung oft trainiert wird. Dadurch konnten wir Herren der Lage bleiben. Der zweite Landeanflug verlief dann ereignislos." Mit diesen Worten zitierte heute Morgen Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber gegenüber SPIEGEL ONLINE seinen Kollegen Oliver A.

Samstagnachmittag, kurz vor 14 Uhr: Eine aus München kommende Lufthansa-Maschine setzt in Hamburg zur Landung an. Orkantief "Emma" tobt über der Hansestadt. Örtlich treten Windböen auf, deren Geschwindigkeiten sogar über denen des Monstersturms "Kyrill" von 2007 liegen. Eine Windböe erfasst den Airbus A320, der schon fast gelandet ist. Ein Video auf der Plattform www.liveleak.com zeigt den Landeversuch, der beinahe als Katastrophe geendet wäre.

Die Maschine wird von der Böe auf der rechten Seite nach oben gerissen, der linke Flügel berührt die Landebahn. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird dabei das Winglet beschädigt - jener Stummel an Flügelende, der Luftwirbel verringern und so Kerosin sparen soll. Trotz des Aufsetzens gelingt es Oliver A. und seiner Co-Pilotin Maxi J., 24, die Maschine durchzustarten, um kurze Zeit später sicher auf einer anderen Landebahn zu landen.

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber bestätigte den Zwischenfall: "Es gab gestern mehrere Durchstarts in Hamburg", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Einer davon betraf unsere LH 044." An Bord befanden sich 131 Passagiere. Unmittelbar vor dem Touchdown habe die Böe den Airbus erfasst, "die Piloten haben superprofessionell reagiert und die Maschine hochgezogen". Das beschädigte Winglet sei bereits repariert worden, heute könne das Flugzeug wieder starten.

Der wackelige Landeversuch ging nicht spurlos an den Passagieren vorüber: "Vielen ging es nicht so gut", sagte Weber, "einige waren den Tränen nahe." Ein Reisender, der in der Maschine saß, berichtete dem Nachrichtensender n-tv: "Das waren Sekunden, die man kaum beschreiben kann." Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Das ist extrem, so etwas habe ich auf einem deutschen Flughafen noch nicht gesehen."

Nach Raabs Angaben entscheiden die Piloten, ob sie bei extremen Wetterbedingungen auf einem Flughafen landen oder nicht. Die Flugsicherung informiere die Piloten lediglich über Sicht- und Windverhältnisse. Nach Angaben von Lufthansa-Sprecher Weber haben die Piloten des Fluges LH 044 richtig gehandelt. "Dass ganz kurzfristig eine Böe kommt, kann immer wieder passieren." Es sei besonderes Pech gewesen, dass dies wenige Meter vor dem Aufsetzen geschah.

"Das war eine außerordentliche Situation", sagte Weber. Der Chefpilot der Lufthansa habe sich das Video der Landung angeschaut und sei voll des Lobes für die Piloten. "Die Situation, dass unmittelbar vor der Landung eine Böe kommt, üben unsere Piloten immer wieder im Simulator." In Momenten wie am Samstagnachmittag in Hamburg zahle sich dieses Training aus. Oliver A. arbeitet nach Webers Angaben seit 17 Jahren bei der Lufthansa, seit sechs Jahren ist er Kapitän.

Insgesamt hat "Emma" am Wochenende weite Teile Mitteleuropas ins Chaos gestürzt, Schäden in Millionenhöhe verursacht. Mindestens 13 Menschen wurden getötet, zahlreiche verletzt.

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