Piraterie vor Somalia Gekaperter Supertanker hat Öl für 100 Millionen Dollar geladen

Was für eine Beute: Der von somalischen Piraten gekidnappte Supertanker "Sirius Star" hat zwei Millionen Barrel Öl an Bord - der Wert der Ladung wird auf rund hundert Millionen Dollar geschätzt.

Nairobi - Es ist das bislang größte Schiff, das Piraten in den vergangenen Monaten kapern konnten: Seeräuber haben den 330 Meter langen Tanker des saudischen Ölkonzerns Aramco am Samstag vor Kenia in ihre Gewalt gebracht. Laut BBC ist die "Sirius Star", die nun auf die somalische Küste zusteuert, in etwa so lang wie ein Flugzeugträger - und kann in etwa dreimal so viel Fracht aufnehmen.

Gekidnappter "Sirius Star": Kurs auf Somalia

Gekidnappter "Sirius Star": Kurs auf Somalia

Foto: REUTERS

Bislang wurden keine Forderungen der Entführer bekannt. Die 25 Besatzungsmitglieder seien bei guter Gesundheit, hieß es aus Kreisen der Reederei. Ein Marinesprecher bezeichnete die Seeräuber am Dienstag im britischen Sender BBC als "sehr professionell, sehr gut bewaffnet und sehr gut ausgebildet".

Der Tanker hat nach Angaben aus Saudi-Arabien zwei Millionen Barrel Öl mit einem aktuellen Marktwert von rund hundert Millionen US-Dollar (gut 79 Millionen Euro) geladen und war auf dem Weg in die USA, als er von den Seeräubern gekapert wurde. Die "Financial Times" schätzt, dass es sich bei der Fracht um ein Viertel der täglichen Ölexportmenge Saudi Arabiens handelt.

Nach Angaben der 5. Flotte der US-Marine in Bahrain sank die Zahl der erfolgreichen Piratenüberfälle in der Region durch verstärkte militärische und zivile Abwehrmaßnahmen von 53 Prozent im August auf 31 Prozent im Oktober. Derzeit patroulliert eine Armada von Kriegsschiffen aus acht Nationen in der Region.

Der Überfall auf die "Sirius Star" zeige jedoch, dass sich die somalischen Piraten auf die veränderte Lage einstellten und "immer gewagtere Angriffe" durchführten, sagte ein Sprecher der 5. US-Flotte. Die Freibeuter hätten ihren Aktionsradius inzwischen erheblich ausgedehnt und operierten nicht mehr ausschließlich in küstennahen Gewässern. "Wir sind darüber sehr besorgt", so ein Marinesprecher.

Augenzeugenberichten zufolge hatten die Freibeuter den saudischen Tanker mehr als 430 Kilometer von der Küste entfernt aufgebracht. Die US-Marine erklärte, die meisten Attacken der vergangenen Monate hätten durch "Sicherheitsteams an Bord" abgewehrt werden können.

An Bord des entführten Tankers, der nun wahrscheinlich Kurs auf die "Piratenküste" von Somalia nimmt, befinden sich 25 Besatzungsmitglieder aus Saudi-Arabien, Großbritannien, Kroatien, Polen und den Philippinen. Das Bürgerkriegsland Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Regierung und keine Küstenwache.

jdl/dpa/AFP

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