Pitt und Jolie in Namibia Nahkampf am Palmenstrand

In Namibia rangeln Dutzende Paparazzi um das ultimative Foto: Brad Pitt und Angelina Jolie mit dem ersten gemeinsamen Kind, dessen Geburt kurz bevorsteht. Anwohner berichten von regelrechten Verfolgungsjagden. Die Reporter hingegen beschweren sich über "brutale Methoden" der Polizei.


Langstrand - Angelina Jolie und Brad Pitt, die seit Anfang April mit ihren Adoptivkindern Maddox und Zahara in Namibia auf die Geburt ihres ersten gemeinsamen Sprösslings warten, sorgen in dem afrikanischen Staat für ungewohnte Unruhe. Langstrand, ein einsamer atlantischer Küstenstreifen mit nicht enden wollendem Sandstrand zwischen Swakopmund im Norden und Walfisch-Bay im Süden, wird seit dem Eintreffen der Stars von Reportern und Fotografen bevölkert - die allerdings auf entschlossenen Widerstand der Behörden treffen. Über "brutale Methoden" entrüsten sich die einen - es gehe um den "Schutz unserer Gäste", erwidert die Regierung.

Das Befinden der beiden Promis ist zu einem wichtigen Augenmerk der Regierung geworden. "Die namibische Regierung fühlt sich verfassungsmäßig verpflichtet, das Privatleben nicht nur seiner Bürger, sondern auch seiner Besucher zu beschützen", verkündete das Informationsministerium in Windhuk in der vergangenen Woche. Gesagt, getan - vier ausländische Fotografen wurden wegen Belästigung des Pärchens bereits des Landes verwiesen. Die namibische Menschenrechtsvereinigung NSHR ist empört: Die Polizei habe "völlig unberechtigte Hausdurchsuchungen auf der Jagd nach Paparazzi und anderen Journalisten vorgenommen".

Die Ordnungshüter gingen nach Gutdünken gegen ortsansässige Namibier und ausländische Journalisten vor, beklagen die Menschenrechtler. Die namibische Journalistin Donna Collins bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, sie sei Zeugin einer Durchsuchung in Langstrand gewesen. Sie selbst sei von den Leibwächtern des illustren Paares gejagt worden, die versucht hätten, ihr den Fotoapparat zu entreißen. Die Polizei jedenfalls habe niemandem wehgetan und nicht eine einzige Kamera konfisziert, versichert dagegen Polizeisprecher Hieronymus Goraseb.

Die Einwohner des verschlafenen Badeortes Langstrand, der gerade mal ein Restaurant aufzuweisen hat und nicht mal einen Tante-Emma-Laden, reagieren dagegen eher gelassen auf die Anwesenheit der berühmten Gäste. "Namibier sind nicht so Promi-verrückt wie die Leute in Europa oder den USA", sagt Almuth Styles, die eine Touristen-Information bei Swakopmund betreibt. Sie ist selbst das beste Beispiel für den unaufgeregten Umgang der Einheimischen mit den berühmten Gästen: Als Angelina Jolie 2002 für Dreharbeiten zum Film "Jenseits aller Grenzen" schon einmal in Namibia war, sei sie sogar in ihrer Touristen-Information vorbeigekommen und habe nach dem Weg gefragt, berichtet Styles lachend: "Ich hab' sie nicht erkannt, und erst danach hat mir ein junger Praktikant gesagt, wer das war."

Roger Du Toit, der jeden Tag seinen Hund am Strand vor Pitt und Jolies Feriendomizil "Burning Shore Lodge" spazieren führt, findet auch, man sollte die beiden "doch in Ruhe die Landschaft genießen lassen wie alle anderen auch". Doch so einfach ist das nicht: Merylin Leippert musste schon mehrere Paparazzi vom Balkon einer von ihr vermieteten Ferienwohnung verscheuchen, die zufällig freien Blick auf die "Burning Shore Lodge" bietet: "Sie hatten eine Leiter mitgebracht und sind einfach raufgeklettert", berichtet Leippert. "Mir sagten sie, sie hätten eine Erlaubnis von der Besitzerin. Als ich ihnen sagte, dass ich das bin, mussten sie abziehen."

Und so freut sich am meisten die Regierung in Windhuk über den Aufenthalt der Berühmtheiten. Hopelong Ipinge, Namibias Botschafter in Washington, bejubelt die unverhoffte Werbung für seine Heimat: "Die Botschaft wird mit Anrufen amerikanischer Medien und Bürger nur so überhäuft, die sich über unser Land informieren." Für Namibia werde es "eine Ehre sein, der Geburtsort" von Jolies und Pitts Baby zu sein.

Brigitte Weidlich, AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.