Piusbruder Holocaust-Leugner Williamson bittet um Vergebung

Holocaust-Leugner Richard Williamson gibt sich reuig: Der umstrittene Bischof hat sich öffentlich bei denen entschuldigt, die er durch die Leugnung des Holocaust verletzt habe. Der Zentralrat der Juden wies die Erklärung als "verkorkst" zurück.


Rom - Tatsächlich Reue oder taktisches Kalkül? Der umstrittene katholische Geistliche Richard Williamson hat sich nach seiner erzwungenen Ausreise aus Argentinien für die Leugnung des Holocaust entschuldigt. Der 68-Jährige schrieb einen Brief an den Vatikan und entschuldige sich "vor Gott" bei allen, die er durch seine Leugnung der Judenvernichtung im Dritten Reich verletzt habe.

Es habe sich bei seinen Äußerungen nur um die "Meinung eines Nicht-Historikers" gehandelt, die sich auf die Erkenntnisse von vor 20 Jahren gestützt habe, gab der Piusbruder bekannt. Eine erste Rücknahme der Äußerungen des Bischofs, die weltweit Empörung auslösten?

Wörtlich schreibt Williamson: "Der Heilige Vater und mein Oberer, Bischof Bernard Fellay, haben mich ersucht, die Bemerkungen, die ich vor vier Monaten gegenüber dem schwedischen Fernsehen gemacht habe, neu zu überdenken, da deren Folgen sehr schwerwiegend gewesen sind."

Und weiter: "In Anbetracht dieser Folgen kann ich wahrheitsgemäß sagen, dass es mir leid tut, diese Bemerkungen gemacht zu haben, und dass ich sie nicht gemacht hätte, wenn ich im Vorhinein um den ganzen Schaden und den Schmerz gewusst hätte, die diese verursachen würden, besonders der Kirche, aber ebenso den Überlebenden und den Verwandten der Opfer der Ungerechtigkeit unter dem Dritten Reich.

Im schwedischen Fernsehen habe ich nur die Meinung ( "Ich glaube", "Ich glaube") eines Nicht-Historikers geäußert, eine Meinung, die sich vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise herausgebildet hat und seither selten in der Öffentlichkeit geäußert worden ist. Nichtsdestoweniger haben mich die Ereignisse der letzten Wochen und der Rat von älteren Mitgliedern der Bruderschaft des hl. Pius X. von meiner Verantwortung für die verursachten großen Schwierigkeiten überzeugt. Ich bitte alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung."

Williamson hatte in einem Ende Januar ausgestrahlten Interview mit dem schwedischen Fernsehen gesagt, er denke, dass "200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben" seien, aber "nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern".

Am selben Tag unterschrieb Papst Benedikt XVI. ein Dekret, das die Exkommunikation Williamsons und dreier weiterer Mitglieder der erzkonservativen Piusbruderschaft rückgängig machte - und einen Sturm der Entrüstung auslöste. Vom Papst aufgefordert, seine Äußerungen zu widerrufen, sagte Williamson lediglich, er werde seine Aussagen zum Holocaust "überprüfen".

Zentralrat der Juden: "Verlogene Thesen"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies die Entschuldigung Williamsons als "verkorkst" zurück. Vizepräsident Dieter Graumann sagte im Gespräch mit "Handelsblatt.com": "Williamson zieht seine verlogenen Thesen zum Holocaust und dessen Leugnung ja auch keineswegs zurück, er bedauert doch nur, dass seine Worte schädlich gewirkt haben".

Williamson habe zudem erklärt, seine Meinung sei vor 20 Jahren "aufgrund der damals vorhandenen Beweise" gebildet worden. "Als ob vor 20 Jahren die Existenz des Holocaust in Zweifel gestanden habe", empörte sich Graumann und fügte hinzu: "Nein: Diese durch und durch verkorkste Erklärung von Williamson nimmt leider überhaupt nichts zurück, sie lässt vielmehr den Schluss zu, er halte die Holocaust-Leugnung, die er ja schon seit Jahrzehnten pathologisch auslebt, weiter aufrecht."

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ließ die Entschuldigung nicht gelten. Präsident Hans Joachim Meyer nannte die Erklärung "in keiner Weise befriedigend". Selbst wenn Williamson seine Aussagen über den Holocaust eindeutig widerrufen hätte, müsste man sich fragen, wie ein erwachsener Mensch sich so leichtfertig in einer so fundamentalen Frage wie der Existenz von Gaskammern in Auschwitz äußern könne, sagte Meyer "Tagesspiegel". "So jemand darf keine Verantwortung tragen."

Argentinien, wo Williamson seit 2003 in einem Priesterseminar gelebt hatte, hatte den Geistlichen in der vergangenen Woche zum Verlassen des Landes aufgefordert und andernfalls mit Ausweisung gedroht. Als Begründung führte die Regierung in Buenos Aires an, Williamson habe mit der Leugnung des Holocausts das Judentum beleidigt.

Das Mitglied der erzkatholischen Piusbruderschaft war am Mittwoch am Londoner Flughafen Heathrow eingetroffen und hatte sich zunächst in Schweigen gehüllt. Williamson steht nach Informationen des SPIEGEL in Kontakt mit dem verurteilten britischen Holocaust-Leugner David Irving.

jjc/AFP/dpa

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