Politikeransturm in Köln Benedikt lässt bitten

Während sich Zigtausende von Pilgern bereits auf den Weg zum Marienfeld bei Köln machen, um mit Benedikt XVI. das Abendgebet zu feiern, widmet sich der Pontifex den politischen Größen des Landes.

Köln - Im Erzbischöflichen Haus empfing der Papst Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Anschließend will er mit Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der CDU- Bundesvorsitzenden Angela Merkel sowie dem nordrhein-westfälischen Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) sprechen. Außerdem trifft er Vertreter muslimischer Organisationen und hält eine Rede vor den 760 Bischöfen aus aller Welt, die beim Weltjugendtag in Köln sind. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war bereits gestern mit Bundespräsident Horst Köhler in Bonn zusammengetroffen.

Bereits am frühen Morgen machten sich zahlreiche junge Menschen aus aller Welt auf den Weg zum Marienfeld, um für heute Abend einen guten Platz zu bekommen. Offiziell soll das Feld um 11 Uhr geöffnet werden.

Vor der für den Abend geplanten Nachtwache (Vigil) sollte ein buntes Programm mit Musik stattfinden, um den Pilgern das Warten auf den Papst zu verkürzen. Die meisten Gäste wollten auf dem Marienfeld unter freiem Himmel übernachten. Morgen wird dann auf dem Gelände der Abschlussgottesdienst mit dem Papst stattfinden. Zur Messe werden insgesamt 800 000 Gläubige erwartet.

Thierse würdigte heute den Einsatzes des Papstes für die Ökumene. Benedikt XVI. habe bei seinem Treffen gestern Abend mit anderen christlichen Konfessionen ein "deutliches Zeichen" gesetzt und ein "Bekenntnis zur Ökumene" abgelegt, sagte Thierse am Morgen im Deutschlandradio Kultur. Er hoffe, dass Angehörige unterschiedlichen Glaubens nicht mehr lange auf das gemeinsame Abendmahl warten müssten, sagte Thierse.

Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, sieht das etwas anders. Sie bedauert, dass es unter dem Papst Benedikt XVI. bisher keine Fortschritte in der Ökumene gegeben habe. Auf NDR Info sagte sie heute unter anderem: "Wenn wir das Mahl der Einheit nicht gemeinsam feiern können, wie wollen wir als Kirchen die Menschen in der ganzen Welt zu mehr Gemeinschaft und Einheit rufen?" Zum Auftritt des Papstes auf dem Weltjugendtag in Köln sagte Käßmann: "Es bleibt bei mir ein gewisses Unbehagen, wenn der Glaube sich so stark auf eine Einzelfigur fixiert." Nach evangelischer Auffassung müsse jeder selbst für seinen Glauben einstehen und Vorbild sein.

Dennoch freue sie sich über die Bilder aus Köln: "Es tut gut zu sehen, dass sich junge Menschen zur christlichen Kirche bekennen."