Polizeischüsse auf entlaufenen Hund Das Drama um Bruce

Mischlingshund Bruce hatte sich nachts auf die A46 verirrt, wollte sich von Polizisten weder einfangen noch verscheuchen lassen. Also schossen die Beamten auf Bruce und rammten ihn von der Straße. Die Polizei verteidigt ihr Verhalten - Tierschützer sind empört.
Internetauftritt des Hundevereins: "Was ist mit unserem Bruce passiert????"

Internetauftritt des Hundevereins: "Was ist mit unserem Bruce passiert????"

Arnsberg - "Bruce ist ein Mischlingshund. In seinem bisherigen Leben hat er nicht viel Gutes erfahren" - So beginnt eine Mitteilung des Vereins "Kanarenhunde" . Dort ist die Trauer derzeit groß. Denn noch immer gibt es keine Gewissheit über das Schicksal von Bruce.

Zuletzt wurde der einjährige Hund vergangene Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gesehen. Um 2.55 Uhr ging bei der Polizeiwache Arnsberg ein Notruf ein: Ein Hund laufe auf der Autobahn 46 umher. Zwei Beamte machten sich in einem Streifenwagen auf den Weg zur Auffahrt Hüsten, wie Polizeisprecher Ludger Rath sagt.

Sie wollten den Hund einfangen - vergeblich. Sie wollten ihn verscheuchen - vergeblich. Also griffen sie zur Waffe und feuerten zwei Mal auf Bruce, sagt Rath. Auf ein bewegliches Ziel im Dunkeln. Der Hund sei wohl einmal getroffen worden.

"Es war keine leichte Entscheidung", sagt Rath. Niemand schieße gerne auf einen Hund. Aber Menschenleben seien in Gefahr gewesen. "Stellen Sie sich mal vor, es wäre wegen des Hundes zu einem Unfall auf der Autobahn gekommen." Die Beamten hätten abwägen müssen - und sich schließlich gegen das Tierleben entschieden.

Da Bruce auch nach dem Schuss noch auf der Autobahn umherlief, stiegen die Beamten wieder in ihren Wagen und rammten das Tier von der Straße. Medienberichten, nach denen der Hund zweimal überrollt worden sei, widerspricht Rath. "Die Beamten haben ihn seitlich getroffen um ihn von der Autobahn zu drängen", sagt er.

Ihre anschließende Suche nach dem Tier blieb erfolglos. Bis heute fehlt von Bruce jede Spur. Und mit jedem Tag steigt die Wut von Sandra Ehlers. Sie ist Zweite Vorsitzende beim Verein Kanarenhunde und kennt Bruce noch aus Fuerteventura. Der Verein hat ihn dort gemeinsam mit seinen Geschwistern aus einer Tötungsstation gerettet. Am 22. Juni wurde Bruce nach Deutschland geflogen, eine Pflegefamilie hatte sich bereits gefunden.

Auf einem Spaziergang habe sich Bruce erschreckt und losgerissen, sagt Ehlers. Und sei so schließlich auf der Autobahn gelandet.

SPIEGEL ONLINE: Frau Ehlers, Sie suchen seit fast einer Woche nach Bruce, haben öffentlich um Mithilfe gebeten. Gibt es Neuigkeiten?

Ehlers: Nein, wir wissen immer noch nicht, was mit Bruce passiert ist. Ich war gestern wieder an der Autobahn unterwegs, um nach ihm zu suchen, seine Pflegefamilie war auch dabei. Ich werde nun einen Spürhund einsetzen - und es ist mir inzwischen egal, was die Polizei dazu sagt.

SPIEGEL ONLINE: Was genau werfen Sie den Beamten vor?

Ehlers: Sie haben ein Tier verletzt, ohne sich um dessen Verbleib zu kümmern. Sie sollten ihn suchen, schließlich könnte es immer noch sein, dass er da draußen elendig verreckt.

SPIEGEL ONLINE: Die Beamten konnten den Hund nicht von der Fahrbahn vertreiben und haben dann zur Waffe gegriffen. Hätte es Alternativen gegeben?

Ehlers: Sicher. Die Polizei hätte die Pflegestelle alarmieren müssen. Bruce kannte dort einige Mitarbeiter, vielleicht hätte er auf sie reagiert. Ich weiß nicht, ob das geklappt hätte. Aber es wäre eine Chance gewesen. Stattdessen haben sie auf ein Tier geschossen und es angefahren. Aber wir sind doch in Deutschland und nicht im Wilden Westen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch Hoffnung, Bruce lebend zu finden?

Ehlers: Ich habe da gemischte Gefühle, manchmal hoffe ich noch darauf. Fest steht nur: Ich werde nicht aufhören, bis ich Bruce entweder tot oder lebendig finde.

Die Fragen stellte Anna-Lena Roth
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