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27. September 2013, 17:45 Uhr

Rap-Video der Polizei NRW

"Hey Torben, go Torben"

"Auch wenn die Raser das nicht gerne wollen, machst du ab heute die Verkehrskontrollen": Die Polizei in NRW will mit einem lustigen Rap-Video Bewerber anlocken. Komisch ist der Clip allemal - allerdings eher unfreiwillig.

Düsseldorf - Zwei junge Männer sitzen an einer Straßenecke und unterhalten sich. Zwei Polizisten, eine Frau und ein Mann, kommen mit einem Ghettoblaster: "Guten Tag, Polizei NRW." Sie stellen sich in Position, dann beginnen sie zu rappen.

Die Szene stammt aus einem Video der Polizei NRW. Es soll potentielle Bewerber für die Arbeit als Ordnungshüter begeistern. Da kann man sich schon mal an die Jugendkultur anbiedern - oder es zumindest versuchen. Im Fall der Polizei NRW endete der Versuch mit einem Liedtext, der es verdient, in Gänze zitiert zu werden:

Okay, Torben, alter Checker, eins, zwei, drei,
du hattest dich beworben, Torben, ja du warst so frei.

Kollege, halt dich fest, denn du bist jetzt mit dabei,
mit sofortiger Wirkung bist du bei der Polizei.

Bei der Sichtung deines Einstellungstests
stellten wir die richtige Einstellung fest.

Du hattest dich beworben, Torben, auf nen tollen Job.
Heute teilen wir dir mit: Du bist ab sofort ein Cop.

Hey Torben, go Torben, hey, ho (2x)

Korrekt, du fragst dich nach dem Stundenlohn,
du kriegst ne Waffe, kriegst ne Mütze und ein Megafon.

Ab sofort wirst du hier nach dem Rechten schauen
und darauf achten, dass die Homies keine Scheiße bauen.

Auch wenn die Raser das nicht gerne wollen,
machst du ab heute die Verkehrskontrollen.

Test bestanden, mit Einsatz nicht gespart,
herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt am Start.

Dann nehmen sie den Ghettoblaster, wünschen einen schönen Tag und ziehen ab.

Der Text allein tut dem Gesamtwerk freilich nur unzureichend genüge. Das Video wandelt irgendwo zwischen Fremdschämen und Amüsement. Man mag kaum glauben, dass es echt ist - aber das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten Nordrhein-Westfalen bestätigt, dass der Clip kein Jux ist. "Urheber ist die Polizei NRW", sagt Pressesprecher Victor Ocansey. Das Video sei ein Versuch, die Jugendlichen zu erreichen. "Inhaltlich sollte die Polizeiarbeit dargestellt werden, das war uns wichtig."

Das Video war laut Ocansey die Idee einer externen Produktionsfirma. "Es soll lustig sein, erheitern." Das tut es zweifellos. Aber meistens wohl eher unfreiwillig. Die Kommentare unter dem YouTube-Video sind jedenfalls ziemlich einhellig:

Pressesprecher Ocansey gibt zu, dass die Reaktionen gemischt seien. Ob das Video beim Ziel, Bewerber anzulocken, helfe, könne man noch nicht sagen. Die Bewerbungsfrist endet am 2. Oktober. "Wenn wir das Ganze analysiert haben, kann das Ergebnis auch sein: Es ist gescheitert", sagt der Pressesprecher. "Wenn es nicht funktioniert, lassen wir es halt."

Zumindest in einer Hinsicht darf das Video schon jetzt als Erfolg gelten: So viel Aufmerksamkeit hätte eine gewöhnlichere Kampagne wohl kaum bekommen. "Die mediale Resonanz ist überragend", sagt Ocansey.

Dass sich zwei richtige Polizisten durch ihren musikalischen Einsatz der Lächerlichkeit preisgegeben haben, steht indes nicht zu befürchten: Die rappenden Beamten sind laut Ocansey Schauspieler.

ulz

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