Polizei Julia wurde möglicherweise angefahren

Die achtjährige Julia aus Biebertal bei Gießen ist wahrscheinlich bereits am Tag ihres Verschwindens vor einer Woche getötet worden. Nun prüft die Polizei, ob das Kind möglicherweise bei einem Verkehrsunfall getötet wurde.


Trauer um Julia: Ein Foto der Toten in ihrem Heimatort Biebertal
AP

Trauer um Julia: Ein Foto der Toten in ihrem Heimatort Biebertal

Gießen - Es werde in die Ermittlungen einbezogen, dass Julia unter Umständen an einer Fußgänger-Ampel angefahren worden sein könnte, berichtete die Polizei in Gießen. Der Täter könnte sie zur Vertuschung des Unfalls mitgenommen haben. Zeugen, die Julia kannten, hätten angegeben, sie am vergangenen Freitag an der Ampel gesehen zu haben. Spezialisten der Polizei suchten dort nach Unfallspuren.

Eine andere Anwohnerin will Julia noch an einer anderen Straße im Ort gesehen haben. Es sei nicht auszuschließen, dass das Mädchen dort oder an der Fußgängerampel in das Fahrzeug des Täters eingestiegen sei, teilte die Polizei mit.

Die Sonderkommission mit 25 Beamten suche außerdem nach dem Rucksack des Mädchens, in dem zwei bunte Wasserpistolen waren. Es sei ungeklärt, ob die Gegenstände mit verbrannten. Die Leiche der kleinen Julia war in der Nacht zum Mittwoch in einem Wald bei Niddatal in der Wetterau in einem brennenden Holzstapels entdeckt worden. Das Feuer sei mit Benzin entfacht worden, berichtete der Gießener Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner.

Bei der Suche nach dem Täter wird die Polizei auch am Wochenende den rund 600 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen. Am Freitag startete die Polizei eine intensive Bürgerbefragung im Heimatort von Julia. Für die Ergreifung des Täters ist eine Belohnung von 50.000 Mark ausgesetzt.

Die Achtjährige ist möglicherweise bereits am Tag ihres Verschwindens am vergangenen Freitag getötet worden. "Es spricht einiges dafür, aber mit letzter Sicherheit lässt sich das noch nicht sagen", sagte Oberstaatsanwalt Hübner. Ein rechtmedizinisches Gutachten soll Aufschluss über den Todeszeitpunkt geben. Sicher sei, dass das Mädchen bereits tot war, als es auf dem Holzstapel im Wald angezündet wurde.

Ein 33-jähriger Mann aus dem 60 Kilometer entfernten Niddatal, wo Julias Leiche gefunden wurde, war am Donnerstag als Verdächtiger vernommen und wieder entlassen worden. Er sei jedoch noch nicht ganz außer Tatverdacht, sagte der Oberstaatsanwalt. An dem 33-Jährigen seien aber keinerlei Brandspuren zu sehen gewesen. Die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter beim Anstecken des Holzstapels Hautverletzungen erlitten haben.

Anhaltspunkte dafür, dass der Fall Julia in konkretem Zusammenhang mit dem Mord an der achtjährigen Johanna Bohnacker aus Ranstadt- Bobenhausen (Wetteraukreis) steht, hat die Polizei nicht. "Die Mädchen waren gleich alt und sahen ähnlich aus", das seien die einzigen Gemeinsamkeiten, sagte Hübner. Die skelettierte Leiche von Johanna war im April vergangenen Jahres in einem Wald gefunden worden. Johanna war gefesselt und tot dort abgelegt worden.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.