Zehnjähriger Sebastian Verschwunden auf der Nordseeinsel

Wo ist Sebastian? Seit zwei Tagen wird der Zehnjährige auf der Nordseeinsel Amrum vermisst. Trotz intensiver Suche fehlt von dem Jungen jede Spur. Nun hofft die Polizei auf neue Ansätze: Touristen sollen ihre Urlaubsfotos und Videos einsenden.

DPA/ Polizei

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Hamburg - Von den Ferienhäusern ist es nicht weit bis zu dem Ort, an dem der zehnjährige Sebastian zum letzten Mal gesehen wurde. Kaum hundert Meter geht es hinunter bis zum "Piratenschiff", einem Kinderspielplatz am Strand der Nordseeinsel Amrum. Viel frische Luft, viel Sand, viele Dünen - ein Idyll.

Seit Sonntagabend ist Sebastian verschwunden - und mit ihm das Idyll. Trotz intensiver Suche fehlt von dem Jungen jede Spur. Hubschrauber mit Wärmebildkameras kamen ebenso zum Einsatz wie Spürhunde. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus, doch im Grunde wissen die Ermittler bisher so gut wie nichts. Auch ein Unglück ist denkbar.

Wittdün ist ein beschauliches Fleckchen am südlichen Zipfel Amrums. Gerade einmal rund 660 Einwohner zählt der Ort. Jährlich besuchen etwa 200.000 Gäste die Insel, etwa 100.000 bleiben nur für einen Tag. "Wir sind alle betroffen", heißt es bei der Touristikzentrale. Es gebe eine hohe Anteilnahme auf der Insel. "Wir hoffen, dass sich alles schnell aufklärt."

Sebastian kommt aus Österreich, er war mit seiner Familie zum Urlaub auf Amrum. Am Sonntag gegen 17 Uhr sehen ihn seine Eltern zum letzten Mal. Der Junge, ein blonder Lockenkopf, geht hinunter zum Strand. Er ist barfuß, trägt eine Jeanshose und ein blaues Langarm-Shirt aus Fleece. Um kurz vor sechs wollen Augenzeugen ihn noch mit einem anderen Jungen beim "Piratenschiff" gesehen haben, dann verliert sich jede Spur. In der Zeit, in der Sebastian verschwindet, herrscht Niedrigwasser am Südstrand von Amrum.

Die Eltern melden Sebastian am Abend vermisst, sofort startet die Polizei eine Suchaktion. Bis 3 Uhr nachts kreisen zwei Hubschrauber über der Insel, in den frühen Morgenstunden am Montag geht die Suche weiter. Spürhunde und Boote der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft sind im Einsatz. Unterstützt werden die Ermittler von der Freiwilligen Feuerwehr. Auch am Dienstag durchstreifen die Suchtrupps noch mit mehr als 30 Mann die Dünen - ohne Ergebnis.

Die Ermittler stehen vor einem Rätsel. "Es wird in alle Richtungen ermittelt", sagt Polizeisprecherin Kristin Stielow. Niemand weiß, ob Sebastian überhaupt noch auf Amrum ist. Auch an den Ufern der Halligen und der Nachbarinsel Föhr wurde nach ihm gesucht.

Ein weiterer Junge, der noch am Nachmittag mit Sebastian am "Piratenschiff" gespielt hatte, kann ebenfalls nicht weiterhelfen. Er verließ den Spielplatz nach eigener Aussage um 16.30 Uhr, Sebastian blieb zurück. Die Polizei sucht deshalb weiter nach dem Jungen, mit dem Sebastian angeblich gegen 18 Uhr noch zusammen war. "Vielleicht hat Sebastian ihm erzählt, was er noch vorhatte oder dass er vielleicht jemanden kennengelernt hat", sagte Stielow. "Wir greifen nach jedem Hinweis, der irgendwie helfen kann."

Um neue Ansätze zu bekommen, bittet die Polizei die Öffentlichkeit noch stärker um Hilfe. Touristen sollten Urlaubsbilder einsenden, heißt es. Die Ermittler fragen nach Fotos und Videos, die am Sonntag in der Nähe des "Piratenschiffs" gemacht wurden. Auch die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" soll den Fall am Mittwoch noch einmal vorstellen.

Hinweise zum Verbleib von Sebastian nimmt die Polizei unter den Telefonnummern 04661-40110 und 04682-96440 entgegen. Bilder und Videos können Sie den Ermittlern an die E-Mail-Adresse niebuell.kpast@polizei.landsh.de schicken.

Mit Material von dpa



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