SPIEGEL TV

Polizeibewerber im Fitnesstest Versagt am Reck? Und weg!

In der Polizeischule Bremen geht es für die Bewerber um alles oder nichts: Wer im Sportparcours versagt, ist raus aus dem Auswahlverfahren. "Es gibt Kandidaten, die schaffen nicht einen Klimmzug", mosert ein Ausbilder. SPIEGEL TV hat die Kandidaten beim Fitnesstest beobachtet.

Hamburg - Cynthia Bethes Problem ist ein Gummilappen. Der baumelt gemeinerweise in 2,50 Meter Höhe an einem Basketballkorb. Scheinbar unerreichbar. An diesem Lappen hängt ihre Zukunft: Sie muss ihn mit einem letzten Sprung erreichen, um Polizistin werden zu können. Ihr Puls rast. Denn nur, wenn sie den Sporttest besteht, darf sie weitermachen.

Erst zwei Stunden zuvor hat die 19-Jährige den schriftlichen Einstellungstest der Bremer Polizei bestanden. Bei der anschließenden Sportprüfung ist sie bereits 35 Meter gesprintet, hat per Seil einen fast zwei Meter hohen Sprungtisch erklommen und konnte problemlos mit dem Medizinball über eine umgedrehte Turnbank balancieren. Der gesamte Hindernisparcours muss in 2,05 Minuten bewältigt werden.

Gut ein Drittel aller Bewerber bei der Polizeischule Bremen scheidet beim Sporttest aus. Bei den weiblichen Kandidaten sind es sogar fast 50 Prozent. Außer im Hochsprung versagen sie regelmäßig beim Bankdrücken und dem Weitsprung.

"Der Schutzmann von heute muss Allround-Sportler sein"

"Das 'Lieblingsgerät' der Männer ist die Reckstange", schnarrt Ausbilder Kröger. "Es gibt Kandidaten, die schaffen nicht einen Klimmzug!" Man merkt Kröger an, dass er nicht gerade begeistert ist von der Muskelarbeit des jungen Mannes im braunen Trainingsanzug, der sich gerade an diesem Sportgerät versucht. "Bei 'drei' lässt der Bewerber los. Das war's. Wer einmal versagt, fliegt.

"Der Schutzmann von heute muss Allround-Sportler sein", sagt Walter Krause, Einstellungsberater in Bremen. Bei einer Verfolgungsjagd müsse der Beamte in der Lage sein, über eine Mauer zu springen oder auf ein Garagendach zu klettern, um den flüchtigen Täter zu stellen, notfalls mit Gewalt.

Wer bei einer einzigen Übung versagt, scheidet sofort aus

Auch bei der Polizei im Saarland will man nur noch Bewerber ausbilden, die ihren Körper bereits im Griff haben. In neun unterschiedlichen Disziplinen werden Koordination, Orientierungsfähigkeit, Ausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit und Gewandtheit getestet. Wer nur bei einer einzigen Übung versagt, scheidet sofort aus dem gesamten Prüfungsverfahren aus.

Trotzdem erscheinen immer wieder Männer in der Turnhalle, die am Hochreck keinen einzigen Klimmzug schaffen, oder Frauen, die schon bei der Hockwende über einen 90 Zentimeter hohen Kasten straucheln.

Auf 115 Ausbildungsplätze kommen im Saarland 1100 Bewerber, in Bremen sind es ebenfalls 115 Stellen, jedoch 2600 Kandidaten. Das dreijährige Studium zum Polizeikommissar beginnt im Herbst, und nur die größten Talente werden genommen.

Für Ausbilder Kröger steht an diesem Tag schon nach dem Aufwärmen fest, wer es im Parcours schaffen wird: "Ich könnte mir vorstellen, dass zwei Frauen Schwierigkeiten beim Hochsprung haben", gibt er mit Kennerblick preis. Natürlich nur leise, damit die zukünftigen Polizisten nicht entmutigt werden.

Mehr über die Ausbildung von Polizeianwärtern sehen in der SPIEGEL-TV-Reportage "Sport ist kein Mord", Teil 2 am Montag, 7.3., 23.00 Uhr, auf Sat.1.