"Ich kann nicht atmen!" Schwarzer stirbt nach brutaler Festnahme in den USA

Im US-Bundesstaat Minnesota ist ein Schwarzer nach seiner Festnahme gestorben. Augenzeugen berichten von heftiger Polizeigewalt - ein zehnminütiges Handyvideo zeigt mutmaßlich die Qualen des Mannes.

In Minneapolis ist am Montagabend bei einem Polizeieinsatz ein Schwarzer zu Tode gekommen – unter bisher ungeklärten Umständen. Beamte seien gegen 20 Uhr wegen eines mutmaßlichen Fälschungsdeliktes in ein Wohngebiet südlich von Downtown Minneapolis gerufen worden, heißt es in einer Mitteilung der Polizei .

Ein etwa 40-jähriger Tatverdächtiger sei vor Ort angetroffen worden. Er habe mutmaßlich unter Drogeneinfluss gestanden und Widerstand gegen seine Festnahme geleistet.

Dem Mann seien Handschellen angelegt worden, die Polizisten hätten "bemerkt, dass er unter medizinischen Problemen litt" und einen Notarzt gerufen. Der 40-Jährige sei in ein Krankenhaus gebracht worden, wo er kurz darauf verstarb. Es seien zu keinem Zeitpunkt Waffen im Einsatz gewesen, die Polizisten hätten das Geschehen mit Kameras aufgezeichnet.

"Checken Sie seinen Puls!"

Inzwischen ist bei Facebook ein Video aufgetaucht, das zumindest Zweifel an der Vollständigkeit dieser Schilderung aufkommen lässt. Auf dem Handy-Mitschnitt ist zu sehen, wie ein Polizist während einer Festnahme einem auf dem Bauch liegenden und offenbar bereits gefesselten Mann sein Knie auf die rechte Halsseite drückt.

Der Fixierte stöhnt und weint. "Ich kann nicht atmen!", sagt er mehrfach, während Augenzeugen in Richtung der Polizei rufen: "Er bewegt sich doch gar nicht" und "Wollen Sie ihn umbringen?"

Irgendwann schließt der Mann die Augen. "Der Mann bewegt sich nicht mehr, checken Sie seinen Puls", ruft ein Beobachter aufgebracht. Die Situation eskaliert, immer lauter werden die Rufe, während der Polizist weiter ungerührt sein Knie auf den Hals des Mannes drückt. 

"Die Polizei hat ihn getötet, direkt vor allen"

Laut "Washington Post"  war Darnella Frazier auf dem Weg zu Freunden, als sie Zeugin des Vorfalls vor einem Lebensmittelladen wurde und ihn mit ihrem Mobiltelefon dokumentierte. Später teilte sie das zehnminütige Video auf Facebook, das Szenen schwerer Gewalt enthält.

Laut Frazier presste der Polizist das Gesicht des Mannes so heftig auf den Boden, dass dieser anfing, aus der Nase zu bluten. "Die Polizei hat ihn getötet, direkt vor allen", so die Einschätzung von Frazier in dem Facebook-Post.

Die Authentizität des Videos ist bisher nicht bewiesen. Auf Antrag der Polizei von Minnesota ermittelt jetzt das unter Leitung des Generalstaatsanwaltes stehende Bureau of Criminal Apprehension von Minnesota (BCA).

Immer wieder Minnesota

In Minnesota kommt es immer wieder zu Fällen von Polizeigewalt. Im Juli 2017 wurde die 40-jährige Justine Damond von dem Polizisten Mohamed Noor getötet, nachdem sie einen mutmaßlichen Überfall auf eine Frau gemeldet hatte. Noor wurde im Juni 2019 zu einer Haftstrafe von zwölfeinhalb Jahren verurteilt. In einem Zivilprozess gegen die Stadt Minneapolis erstritten die Hinterbliebenen 20 Millionen Dollar Entschädigung.

Im Jahr 2016 hatte die Erschießung Philando Castiles durch einen Polizisten in Saint Paul, ebenfalls im US-Bundesstaat Minnesota, weltweit Empörung hervorgerufen. Castile wurde vor den Augen seiner Freundin und deren kleiner Tochter bei einer Verkehrskontrolle mit sieben Schüssen getötet. Der Polizist wurde freigesprochen.

ala
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