Polizisten im Rotlicht-Skandal Für Tipps gab es Sex mit Freudenmädchen

Jahrelang sollen sie ein illegales Bordell gedeckt und dessen Betreiber beim Handel mit tschechischen Prostituierten unterstützt haben. Im Gegenzug gab's Liebe zum "Selbstkostenpreis". Seit Montag müssen sich vier Ex-Polizisten vor dem Münchner Landgericht verantworten.


München - Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Beihilfe zu Menschenhandel und Zuhälterei sowie Bestechlichkeit in Hunderten von Fällen vor. Die mittlerweile aus dem Polizeidienst entlassenen Beamten hätten die Betreiber des als Nachtclub getarnten Freudenhauses von 1996 bis 1999 vor Razzien gewarnt und sich den Schutz mit zahllosen Liebesdiensten entlohnen lassen.

Die Polizisten aus der zivilen Eingreiftruppe der Polizeiinspektion Ottobrunn hätten das Bordell täglich, meist in ihrer Dienstzeit besucht und sich zum "Selbstkostenpreis" vergnügt. Zudem sollen die "Stammgäste" die Betreiber aktiv beim Anwerben ahnungsloser Tschechinnen zur Prostitution unterstützt haben. Nach dem Sex habe der Bordellbetreiber die betrunkenen Beamten gar im Dienstwagen wieder zur Wache chauffiert.

Im Mittelpunkt des Prozesses steht ein Ex-Polizeihauptmeister. Er soll einen Millionen-Gewinn im Lotto teilweise in den Nachtclub investiert und das Bestechungskarussell in Gang gesetzt haben. Bereits im Herbst 1999 war der Beamte wegen Kokainhandels mit Kollegen zu einer Strafe von zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, die er zu zwei Dritteln verbüßt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm besonders schwere Bestechlichkeit in 250 Fällen, Strafvereitelung sowie Beihilfe zu Ausbeuterei vor.

Wenige Tage vor dem Prozess war der 49-Jährige erneut verhaftet worden. Er steht nach Angaben seines Anwalts im Verdacht, weitere Drogengeschäfte betrieben zu haben. Nach "Vorgesprächen" wurde dem Hauptangeklagten eine Gesamtstrafe von vier Jahren angeboten, von der er nur noch zehn Monate verbüßen müsste. Den drei Mitangeklagten stellte die Strafkammer Bewährung in Aussicht.

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