Polygamie Fünf Frauen sind vier zu viel

Die Jury kannte kein Pardon: Tom Green, ein Amerikaner mit fünf Frauen und 29 Kindern, wurde der Polygamie schuldig gesprochen. Dem 52-jährigen Mormonen drohen jetzt bis zu 25 Jahre Haft.

Provo/USA - Am Freitagabend verurteilte eine achtköpfige Jury im US-Bundesstaat Utah Tom Green wegen Bigamie in vier Fällen. Sie befand den 52-Jährigen auch schuldig, eines seiner Kinder nicht genügend finanziell zu unterstützen. Ihm drohen jetzt bis zu 25 Jahre Haft sowie eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Dollar (rund 56.000 Mark). Sein Anwalt kündigte Widerspruch gegen das Urteil an. Bis zur Festsetzung des Strafmaßes bleibt Green gegen Kaution auf freiem Fuß.

Es war der einzige Prozess in den USA gegen einen Anhänger der Vielehe in etwa 50 Jahren. Obwohl Polygamie in dem von Mormonen gegründeten Staat Utah seit 1896 verboten ist, leben nach Schätzungen heute noch 30.000 bis 50.000 Menschen in polygamen Haushalten.

Tom Green war der Staatsanwaltschaft durch Auftritte in Talkshows, in denen er seinen Lebensstil verteidigte, aufgefallen. In Begleitung seiner fünf Ehefrauen - vier sind schwanger - hatte der Angeklagte vor Gericht den Vorwurf der Vielehe zurückgewiesen. Drei Stunden brauchte die Jury, die aus fünf Frauen und drei Männern bestand, für ihr Urteil.

Bei der Urteilsverkündung weinten mehrere seiner Familienmitglieder im Gerichtssaal. Green selbst reagierte zornig. Der Staat Utah habe kein Rückgrat gezeigt, sagte er. Im Verfahren hatte er die Anklage zurückgewiesen und sich auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen. "Aus Sicht der Regierung betrachte ich mich als Single", sagte der mehrfach geschiedene Green dem Richter und fügte hinzu: "In den Augen Gottes betrachte ich mich als verheiratet."

Green lebt mit seiner Großfamilie in der Wüste von Utah südwestlich von Salt Lake City, wo die nächsten Olympischen Winterspiele stattfinden. Die Familie wohnt in armseligen Behausungen und lebt größtenteils von der Sozialhilfe. Die Kinder sind zwischen 2 und 14 Jahren alt. "Wir sind uns gegenseitig ebenso verpflichtet wie Tom", sagte die älteste Ehefrau der in Salt Lake City erscheinenden Zeitung "Deseret News". "Wir bleiben zusammen." Die Familie lebt größtenteils von der Sozialhilfe.

Das Urteil gilt als wegweisend für den weiteren rechtlichen Umgang mit Polygamie. Greens Anwalt John Bucher befürchtet, dass andere Polygamisten sich jetzt noch weiter in den Untergrund zurückziehen werden.

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