Pope-Musik "Benedüüükt" - der Soundtrack zum Papst

Benedikt mit dir, du Land der Bayern: Der Papst wird in seiner Heimat verehrt wie kaum anderswo. Die Ramsauers können davon ein Lied singen. Tun sie auch: "Wir sind entzüüückt, Heiliger Vater Benedikt". Zur inoffiziellen Papsthymne präsentiert SPIEGEL ONLINE den noch inoffizielleren Videoclip.

Von Dominik Baur


Hamburg - Hans und Annemarie Ramsauer sind ganz aus dem Häuschen. Gestern haben sie in der Post den lang ersehnten Brief aus dem Vatikan gefunden. Darin heißt es: "Gern reservieren wir Ihnen jederzeit bevorzugte Plätze bei einer Generalaudienz." Damit ist es nun offiziell: Das Rentnerpaar, das dem Papst zu Ehren ein Loblied dichtete, darf das Oberhaupt der katholischen Kirche persönlich treffen.

Musiker-Ehepaar Ramsauer: "Der braucht eigentlich ein Lied"
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Musiker-Ehepaar Ramsauer: "Der braucht eigentlich ein Lied"

Ein Jahr nach der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers zum Papst erfreut sich der Erwählte noch immer großer Popularität - besonders im eigenen Land, das seinem prominenten Sohn zu dessen Kardinalszeiten stets überaus kritisch gegenüberstand.

So erlangte der Vorname Benedikt im vergangenen Jahr enorme Beliebtheit. In etlichen Städten schaffte er es erstmals unter die Top 30, insgesamt gab es der katholischen Nachrichtenagentur KNA zufolge 2005 doppelt so viele Benedikts wie im Jahr zuvor. Und in Rüsselsheim nimmt sich sogar die Volkshochschule des Oberhirten an. Gestern begann dort ein VHS-Kurs "Das Denken von Joseph Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt XVI." Am heftigsten freilich schlägt das Herz für den Papst in seiner Heimat, in Bayern.

Angefangen hatte die Geschichte mit dem Lied der Ramsauers am 19. April 2005. "Habemus papam", verkündet der chilenische Kardinal Jorge Medina Estévez dem Kirchenvolk von der Loggia des Petersdoms aus, während die Ramsauers gespannt vor dem Fernseher sitzen. "Eminentissimum ac reverendissimum dominum, dominum Iosephum..." Weiter muss Estévez nicht sprechen, Hans Ramsauer weiß sofort, wer gemeint ist: "Der Ratzinger", ruft er. "Das kriegen wir in tausend Jahren nicht mehr, einen bayerischen Papst", sagt Ramsauer zu seiner Frau, "der braucht eigentlich ein Lied."

Gesagt, getan: Nach nur drei Tagen steht der Text, Gattin Annemarie komponiert noch flugs die Musik dazu: "Wir sind entzüüückt, wir sind beglüüückt, Heiliger Vater Benedikt", singt sie nun und spielt die Zither dazu. Und weiter: "Diener im Weinberg des Herrn, über dir leuchtet ein gütiger Stern." Natürlich darf auch der Bezug zur bayerischen Heimat des Heiligen Vaters nicht fehlen: "Edel, nobel, frei und gut, ist dein bayrisch Herz und Blut."

Am 12. Juni 2005 schließlich ist Welturaufführung - in der kleinen Dorfkirche von Marktl am Inn. Ungewöhnlich viele Gläubige haben sich dort versammelt. Es ist der Anfang einer Erfolgsstory. Die ersten 5000 Stück einer eingespielten CD ( www.papstlied.de) verkaufen sich im Handumdrehen. Aber nicht nur den einfachen Gläubigen gefällt der Papst in D-Dur und im Viervierteltakt. Lob kommt auch von ganz oben. Vor drei Wochen hatten die Ramsauers einen ersten Brief aus dem Vatikan erhalten - vom Assessor Benedikts XVI. Darin berichtet ihnen Monsignore Gabriel Caccia, der Pontifex, selbst leidenschaftlicher Pianist und Bach-Liebhaber, habe die CD mit der Papstweise angehört und sie habe ihm sehr zugesagt.

Die Ramsauers sind freilich nicht die einzigen, die dem bayerischen Papst mit deutschem Liedgut huldigen. Zum Weltjugendtag hatte schon Christiane Brückner dem Heiligen Vater mit einem anderen Ständchen aufgewartet - etwas mehr Schlager-Grand-Prix, etwas weniger Musikantenstadl. "Du bist unser Papst für eine bessere Welt, in der der Mensch noch zählt - für alle, für jeden", trällerte die 35-Jährige damals jubilierend ( www.derpapstsong.de) - schlug damit aber keine so hohen Wellen wie ihre Mitbewerber aus dem niederbayerischen Paring.


Was noch fehlt, ist jedoch das Video zum Papstlied. SPIEGEL ONLINE hat sich daran versucht und das Ramsauer-Lied mit Bildern des Pontifex unterlegt (siehe Kasten oben). Ob der Vorschlag für eine Einladung zur Audienz genügt, ist jedoch mehr als fraglich.

Das Datum für ihre Reise zum Papst haben die Ramsauers inzwischen festgelegt: Am 10. Mai werden sie an der Generalaudienz teilnehmen - im Schlepptau lediglich die besten 50 Freunde. Einziger Wermutstropfen: Das Lied werden sie im Rahmen der Audienz nicht zum Vortrag bringen können.

Doch die Ramsauers haben schon weitergehende Pläne. Schließlich hat Joseph Ratzinger für September seinen ersten Bayern-Besuch angekündigt. Da, so träumt Ramsauer, könnte man ihn doch mit dem Lied empfangen. Ein Arrangement für großen Chor habe man schon in Auftrag gegeben. "Das muss aber schon ein mächtiger Chor sein, der das zum Erklingen bringt." Ihm schwebt da so etwas wie die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in München 1972 vor. Damals habe Gotthilf Fischer 1500 Sänger antreten lassen. "Das wär's." Schon bald werde sein Produzent Josef Marchner deswegen Kontakt mit Fischer aufnehmen. "Wenn wir nicht optimistisch wären, hätten wir ja gleich einpacken können."

Video: Jens Radü

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