Porno-Skandal im Priesterseminar "Heiliger Vater im Himmel, wir schämen uns"

Der Porno-Skandal an einem katholischen Priesterseminar in Österreich hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Was viele erzürnt, ist die Untätigkeit des umstrittenen Bischofs Kurt Krenn. Doch der will - trotz zunehmender Proteste - die Krise offenbar aussitzen.


Kurt Krenn: "Es ist doch gar nicht viel passiert"
DPA/ ORF

Kurt Krenn: "Es ist doch gar nicht viel passiert"

Wien - Als Vorgesetzter sollte, so meinen viele Österreicher, der ultrakonservative Bischof Krenn die Konsequenzen aus dem Sexskandal im niederösterreichischen Priesterseminar St. Pölten ziehen und zurücktreten. Die katholische Laienorganisation "Wir sind Kirche" fordert den sofortigen Rückzug des Bischofs und eine Auseinandersetzung der Kirche mit dem Thema Sexualität. Für die Vizevorsitzende Martha Heizer geht es vor allem um die Glaubwürdigkeit der Kirche, die sie durch Krenns Verhalten beschädigt sieht: "Sonst ist er so streng - nur wenn's um die eigene Haut geht, wird er plötzlich so verständnisvoll."

Rücktrittsforderungen hat Bischof Krenn schon vor Tagen weit von sich gewiesen. Mit diesen "Buben-Dummheiten" habe er nichts zu tun, sagte er. "Es ist doch gar nicht viel passiert."

Der Gottesmann ließ zwar eine Untersuchungskommission einrichten, verbat sich jedoch jede Einmischung von seinen Amtskollegen. "Das geht die Bischofskonferenz einen Dreck an", sagte er in einem Interview mit dem Magazin "News".

Polizist im Priesterseminar: Festplatten voller Pornos
AP

Polizist im Priesterseminar: Festplatten voller Pornos

Auf den Festplatten der Seminar-PCs wurden insgesamt 40.000 Bilder und Videos sichergestellt. Einerseits geht es in dem Fall um die strafrechtlich relevante Seite, den Fund von Kinderpornografie. Andererseits zeigen die Bilder auch sexuelle Kontakte zwischen den Seminaristen und der Seminarleitung. Seminarleiter Ulrich Küchl greift auf einem Foto einem bekleideten Mann an den Schritt. Ein weiteres Bild zeigt Stellvertreter Wolfgang Rothe bei einem Zungenkuss mit einem Seminaristen. Das wiederum interessiert die Polizei nicht, dafür aber die Kirche.

Harsche Kritik äußert auch der niederösterreichische Pfarrer Udo Fischer: "Die katholische Kirchenleitung ist nicht jener Hort der Moral, als der sie sich gerne gibt", sagte Fischer. "Sie erleidet auf Grund immer neuer Sexskandale seit zehn Jahren einen dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust."

Umstrittener Bischof Krenn: Kein freiwilliger Rückzug
DPA/ ORF

Umstrittener Bischof Krenn: Kein freiwilliger Rückzug

Höhepunkt war dabei der Fall Groer in den neunziger Jahren. Dabei ging es um Vorwürfe gegen den 2003 verstorbenen Kardinal Hans Hermann Groer, der Novizen und Seminaristen sexuell missbraucht haben soll. Groer trat zurück, und die Anschuldigungen wurden nicht weiter verfolgt. Pfarrer Fischer sieht darin den Beginn einer Entwicklung, "die Kirchenfeinde immer spöttischer lachen und Gläubige unbändig zornig werden lässt". Abhilfe sei nicht in Sicht. "Heiliger Vater im Himmel, wir schämen uns für die Leitung deiner Kirche auf Erden."

Was aus Bischof Krenn wird, ist unklar. Freiwillig will er nicht von seinem Stuhl weichen. Vor 13 Jahren wurde er unter starken Protesten zum Bischof ernannt. Am Tag seiner Weihe legten sich Demonstranten auf die Stufen des Stephansdoms. Das hielt Kurt Krenn nicht auf. Er stieg über sie hinweg.

Nun hoffen seine Gegner auf den einflussreichen deutschen Kardinal Joseph Ratzinger, auf dessen Schreibtisch im Vatikan die Akte Krenn liegt. Medienberichten zufolge plant Ratzinger, Vorsitzender der Glaubenskongregation im Vatikan, schon seit geraumer Zeit eine Entmachtung Krenns. Bislang heißt es aus Rom jedoch: "Kein Kommentar".

Friederike Freiburg



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.