Nach Tötung von mutmaßlichem Rechtspopulisten Polizisten sollen linken Tatverdächtigen bei Festnahme in Portland erschossen haben

Nach dem Tod eines mutmaßlich rechtspopulistischen Mannes bei einer Kundgebung in Portland ermittelte die Polizei einen Tatverdächtigen. Dieser wurde laut mehreren Medienberichten nun bei einem Einsatz getötet.
Einsatzkräfte der Polizei

Einsatzkräfte der Polizei

Foto: Ted Warren / AP

Nach dem gewaltsamen Tod eines offenbar rechten Anhängers am Rande von Demonstrationen in der US-Stadt Portland, ist ein Tatverdächtiger Medienberichten zufolge von der Polizei getötet worden.

Wie US-Medien, unter anderem die "New York Times ", übereinstimmend in der Nacht unter Berufung auf Polizeiquellen berichteten, starb der 48-Jährige nach Schüssen eines gemeinsamen Einsatzkommandos der Polizei und des US Marshals Service in der Stadt Lacey im benachbarten Bundesstaat Washington.

Wie ein Behördensprecher im Bezirk Thurston südwestlich der Stadt Seattle der Nachrichtenagentur AFP sagte, wurde der Mann am Donnerstagabend getötet, als er versuchte, vor vier Polizisten zu fliehen. Bei dem Mann soll es sich laut den Medienberichten um einen Antifa-Anhänger handeln.

Örtliche Einsatzkräfte hätten die Wohnung des Tatverdächtigen observiert, als dieser das Gebäude verlassen und sich einem Fahrzeug genähert habe, sagte Behördensprecher Ray Brady. Da der Mann bewaffnet gewesen zu sein schien, hätten die Polizisten mehrere Schüsse abgegeben, bevor der Mann geflohen sei. Danach seien weitere Schüsse abgegeben worden. Der Waffenbesitz des Verdächtigen sei nicht bestätigt worden.

Der 48-Jährige stand im Verdacht, am Rande einer Demonstration in Portland am vergangenen Samstagabend einen 39-Jährigen erschossen zu haben, der der ultrarechten Gruppierung "Patriot Prayer" angehörte. Im Internet bezeichnete sich der Tatverdächtige demnach als "Antifaschist". Am Donnerstag hatte das Portal "Vice News" ein Interview mit dem Mann veröffentlicht, in dem er andeutete, die tödlichen Schüsse in Portland abgefeuert zu haben.

Er habe sich und einen Freund damit verteidigen wollen. "Ich hatte keine Wahl", sagte er in dem Interview. Die Polizei in Portland hatte daraufhin Medienberichten zufolge am selben Tag einen Haftbefehl gegen den Mann ausgestellt. US-Präsident Donald Trump hatte die tödlichen Schüsse auf den mutmaßlich Rechtsextremen verurteilt und zur raschen Festnahme des Täters aufgerufen.

In Portland gibt es nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai seit fast drei Monaten täglich Kundgebungen der Black-Lives-Matter-Bewegung und Gegendemonstrationen.

Am Samstag fuhr ein Autokorso von Anhängern Trumps durch die Stadt. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des US-Präsidenten und Demonstranten. Auf dem Video eines Reporters der "New York Times" war zu sehen, wie von der Ladefläche eines Pick-ups im Autokorso mit einem Paintball-Gewehr auf Demonstranten geschossen wird. Von einem anderen Wagen wurde Pfefferspray versprüht.

Portland hat sich zu einer Art Zentrum der landesweiten Anti-Rassismus-Proteste entwickelt. Trump hatte dort zu einer stark umstrittenen Maßnahme gegriffen, um die Proteste einzudämmen: Er schickte Bundespolizisten in die Metropole im Nordwesten der USA.

Die Anti-Rassismus-Proteste in Portland und vielen anderen Städten in den USA waren zuletzt durch die Schüsse eines weißen Polizisten auf den 29-jährigen Schwarzen Jacob Blake in Kenosha im Bundesstaat Winsconsin erneut angefacht worden. Blake war bei dem Polizeieinsatz so schwer verletzt worden, dass er nach Angaben seiner Familie womöglich nie wieder wird laufen können.

sen/Reuters/dpa/AFP
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