Porträt Der tiefe Fall des Günther Krause

Der ehemalige Verkehrsminister Krause ist tief gestürzt: Zu Wendezeiten hatte er für die DDR den Einigungsvertrag verhandelt. Nach der Wende wurde er von Helmut Kohl ins Kabinett geholt. Doch jetzt verlor er Ansehen, politische Ämter und viel Geld.


Rostock - Im Abwärtsstrudel, in den er schon kurz nach seinem Karrierehöhepunkt Anfang der neunziger Jahre geriet, ist der 49-Jährige nun bei einer Gefängnisstrafe angekommen. Nach fast neunmonatiger Verhandlung verurteilte das Rostocker Landgericht den früheren CDU-Politiker wegen Untreue, Betrugs und Steuerhinterziehung zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

Deutschlandweit wurde der Informatik-Professor 1990 bekannt, als er mit dem damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) den deutsch-deutschen Einigungsvertrag aushandelte und kurz danach als Minister für besondere Aufgaben ins Kabinett Kohl geholt wurde. 1991 übernahm er das Verkehrsressort und kümmerte sich vorrangig um den Ausbau der Verkehrswege in den neuen Ländern. Bald darauf wurde sein Name im Zusammenhang mit Affären genannt, etwa bei der umstrittenen Vergabe von Raststättenlizenzen an den Ost-Autobahnen und bei privaten Grundstücksgeschäften.

Zum Verhängnis wurde dem einstigen CDU-Landeschef von Mecklenburg- Vorpommern die so genannten "Putzfrauen-Affäre", bei der sich Krause eine Haushaltshilfe vom Arbeitsamt bezahlen ließ. Doch zunächst hielt ihn der Kanzler weiter im Amt. Zum Überlaufen brachte das Fass der private Umzug von Berlin nach Börgerende bei Bad Doberan, für den Krause der Staatskasse die Kosten aufbürdete. Nach einem Gespräch mit Kohl endete am 6. Mai 1993 die Ministerkarriere Krauses mit dessen Rücktritt. Comeback-Versuche als Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl in Rostock 1995 und bei der Bundestagswahl 1998 scheiterten.

Weitere Rückschläge erlitt Krause bei dem Versuch, in die Privatwirtschaft einzusteigen. Gemeinsam mit seiner Frau Heidrun und zwei weiteren Gesellschaftern gründete er 1993 die Aufbau-Invest GmbH, um im Osten günstig Häuser anzubieten. Ein Kredit der Bayerischen Landesbank in Höhe von elf Millionen Mark kam nur zu Stande, weil die Krauses ihr Privathaus als Sicherheit gaben.

Das geliehene Geld war über die Finanz Commerz AG in Zürich in Yen/Dollar-Geschäfte investiert worden. Allerdings war das Geschäft - wie sich später herausstellte - ein groß angelegter Schwindel, bei dem Krause viel Geld verlor. Daraufhin musste sein Haus 1998 zwangsversteigert werden. Es ist aber Medienberichten zufolge im Besitz von Krauses Sohn. 2001 leistete Krause den Offenbarungseid. Dazwischen lagen ein Haftbefehl wegen Mietschulden und eine Geldstrafe über rund 10.000 Mark wegen nicht bezahlter Sozialbeiträge.

Auch privat kam Krause aus den Schlagzeilen nicht heraus. Der Scheidungskrieg mit seiner Ehefrau Heidrun wurde über weite Strecken in den Medien ausgetragen. Sie trat auch in dem Rostocker Prozess gegen ihren Mann auf.



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