Potsdam Staatsanwaltschaft prüft ungeklärten Tod eines DDR-Vertragsarbeiters

Im Sommer 1986 wurde die Leiche eines DDR-Vertragsarbeiters aus Mosambik auf einer Bahnstrecke gefunden. Jetzt will die Staatsanwaltschaft Potsdam den Fall untersuchen.
Justizzentrum Potsdam mit Amtsgericht, Verfassungsgericht, Landgericht und der Staatsanwaltschaft

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Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance/dpa

Der Tod Joao Manuel Diogos ist bis heute nicht geklärt. Der mosambikanische Vertragsarbeiter in der DDR war am 30. Juni 1986 an der Bahnstrecke Dessau-Berlin tot neben dem Gleisbett aufgefunden worden. Die DDR-Ermittlungsbehörden waren offiziell von einem Unfall ausgegangen.

Andrea Johlige ist Landtagsabgeordnete der Linken in Brandenburg. Sie beruft sich auf einen Beitrag des Mitteldeutschen Rundfunks aus dem Jahr 2017. Darin berichtet ein Bekannter Diogos, Neonazis hätten den Mosambikaner im Zug zusammengeschlagen, an den Füßen gefesselt und aus dem fahrenden Zug gehängt. Die DDR-Behörden vertuschten laut Johlige die Tatumstände , Vertreter der Regierung Mosambiks hätten die Darstellungen der DDR intern infrage gestellt.

Im Sägewerk gearbeitet

Jetzt will die Staatsanwaltschaft Potsdam den Fall neu untersuchen. Dies teilte das brandenburgische Justizministerium auf eine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion mit. Die Anklagebehörde will prüfen, ob es Anhaltspunkte für ein Ermittlungsverfahren gibt.

Der 23-jährige Diogo hatte in Coswig in einem Sägewerk gearbeitet und kurz vor seinem Tod einen Wochenendausflug nach Berlin unternommen. Er war einer von geschätzt 20.000 Mosambikanern, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren als Vertragsarbeiter in die DDR kamen.

Ende Februar 1979 hatten SED-Chef Erich Honecker und Mosambiks Machthaber Samora Machel einen sogenannten Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Die meisten Vertragsarbeiter gingen nach der deutschen Einheit in ihre Heimat zurück, geschätzt 2000 blieben in Deutschland. 

ala/dpa

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