Titelfrage "Lady Diana" - Stimmt doch gar nicht!

Zum Jahrestag ihres Todes ist sie wieder im Gespräch: Die englische Prinzessin Diana starb vor 20 Jahren. Die Gedenkmaschine läuft - hat aber einen Haken.

Prinzessin Diana
AFP

Prinzessin Diana


Am 31. August 1997 starb Prinzessin Diana bei einem Autounfall in Paris, zum 20. Todestag wird der britischen Adeligen in unzähligen Zeitungsartikeln und TV-Beiträgen gedacht.

Besonders in Deutschland passiert dabei immer wieder ein Fehler: Diana wird oft "Lady Di" oder "Lady Diana" genannt - und das ist strenggenommen sachlich falsch.

Aus gegebenem Anlass also hier eine kleine Titelkunde:

Vor ihrer Ehe mit dem britischen Thronfolger Charles 1981 trug die damalige Diana Frances Spencer - als Tochter des Earl of Spencer - den Titel "Lady Diana".

Als Charles' Gattin wurde sie jedoch zu "Ihrer königlichen Hoheit, Prinzessin von Wales" - oder eben schlicht "Prinzessin Diana", das ist seitdem die richtige Titelbezeichnung.

Nach dem Ehekrieg mit Charles war Diana besonders verbittert darüber, dass ihr mit der Scheidung 1996 der Titel "Königliche Hoheit" entzogen wurde - fortan repräsentierte sie nicht mehr das englische Königshaus, obwohl kein anderer Royal, nicht einmal die Queen, zu dessen Popularität in den Achtziger- und Neunzigerjahren so maßgeblich beigetragen hatte.

Seit 1996 also war sie nur mehr "Prinzessin Diana". Der damalige britische Premierminister Tony Blair prägte bei ihrem Tod 1997, der das gesamte Königreich und die halbe Welt in eine fast hysterische Stimmung des Schocks und der Trauer stürzte, den Begriff von der "People's Princess", der Prinzessin des Volkes, im Deutschen gern als "Prinzessin der Herzen" beschrieben.

Auch Dianas Bruder nahm damals in seiner Trauerrede in der Westminster Abbey noch einmal Bezug auf die symbolische Ohrfeige, die das Königshaus seiner Schwester mit dem Entzug des königlichen Titels versetzt hatte: Seine Schwester habe in den letzten Monaten ihres Lebens gezeigt, dass sie einen solchen Titel gar nicht brauchte, um ihre "eigene, ganz besondere Magie" zu entfalten.

In Großbritannien und den USA ist der Mythos um die jung verstorbene Prinzessin so etabliert, dass sie meist nur ganz schlicht als "Diana" bezeichnet wird.

Weshalb sich in Deutschland die falsche Bezeichnung "Lady" so hartnäckig hält, ist vielleicht - und empirisch nicht gesichert - mit der nachhaltigen Wirkung zu erklären, die Lady Diana in den frühen Achtzigerjahren hatte, als sie so unvermittelt die Weltbühne betrat: "Shy Lady Di" wurde regelrecht ein Markenname für die sehr junge, reizende Kindergärtnerin mit dem schüchternem Augenaufschlag. Und der ist aus dem kollektiven Gedächtnis offenbar nicht mehr wegzubekommen.

aci/pad

insgesamt 2 Beiträge
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st_ivo 31.08.2017
1. nein, "Fürstin von Wales"
Siehe richtig bei Wikipedia zu "Prince of Wales": "Das Wort Prince (von Lateinisch princeps, "der Erste"), das sowohl mit Prinz als auch mit Fürst ins Deutsche übersetzt werden kann, wäre hier korrekterweise mit Fürst wiederzugeben. Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch ist es allerdings weithin üblich, Prince of Wales (wenn überhaupt) mit "Prinz von Wales" zu übersetzen. Dies ist angesichts des analogen Wortstamms und der Tatsache verständlich, dass die Kinder eines Monarchen oder Fürsten im Deutschen gewöhnlich als Prinzen bzw. Prinzessinnen bezeichnet werden (wofür die englische Sprache ursprünglich keine gesonderte Bezeichnung kannte) und der Titel Prince of Wales in aller Regel mit der Stellung des Kronprinzen verbunden ist, sodass sein Träger folglich immer zugleich auch Prinz des Vereinigten Königreiches ist. Wiewohl der britische Thronfolger in Wales keine besondere verfassungsrechtliche Stellung innehat, ist die Übersetzung "Fürst von Wales" aufgrund des überkommenen territorialen Bezugs zum historischen Fürstentum Wales jedoch als zutreffender anzusehen. Die Bezeichnung prince im deutschen Sinne für die Kinder des Monarchen war bis zur Thronbesteigung Georgs I. im Jahr 1714 in England bzw. Großbritannien unüblich und wurde erst eingeführt, weil der neue König dies ob seiner Herkunft aus Deutschland (er war bereits zuvor Kurfürst von Hannover, was er bis zu seinem Tode auch blieb) so gewohnt war. Das gleiche Phänomen findet sich übrigens auch bei dem Titel Príncipe de Asturias in Bezug auf das spanische Königshaus."
123Valentino 02.09.2017
2. Kann es sein...
das ich versehentlich, in der falschen Zeitschrift geblättert habe. Wendet sich der Spiegel einer anderen , neuen Klientel zu? War wird es eine Nabelschau , über die Erbfolge im Fürstentum Monaco geben? Nun gut der Wahlkampf in Deutschland gibt nicht viel her, aber , ob Lady oder Prinzessin, was soll das?
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