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20. März 2013, 15:39 Uhr

Kaltluft aus Skandinavien

Winter verlängert bis Ostern

Zum kalendarischen Frühlingsanfang bleibt das Wetter in Deutschland grausig: Im Norden und Nordosten liegt eine dicke Schneedecke, auch im Rest der Republik lässt der Winter kaum locker. Wer wissen will, wie es in den nächsten Tagen weitergeht, muss stark sein.

Hamburg - Für Astronomen ist der Fall klar: Heute um 12.02 Uhr war Frühlingsanfang. Wo bisher festgetrampelter Schnee und Eis das Land panzerten, sollte es jetzt eigentlich losgehen, Stichwort: blaues Band, lila Krokusse, Veronika, der Lenz ist da. Stattdessen reicht für Nicht-Astronomen ein Blick aus dem Küchenfenster, um zu wissen: Es herrscht Winter in Deutschland, eisig und nebelgrau.

Besonders hart trifft es wieder einmal den Norden. Auf Rügen gab es in der Nacht 35 Zentimeter Neuschnee, mancherorts türmte der Wind den Schnee meterhoch auf. Am Morgen sei auf der Insel kein einziger Schulbus gefahren, sagte ein Behördensprecher. In Rostock gab es 67 Unfälle auf Glatteis. Und in Berlin-Tegel wurden 28 Flüge wegen Schnee und Eis gestrichen. Für Donnerstag erwarten Meteorologen an den Küsten noch einmal bis zu zehn Zentimeter Schnee, in Berlin sollen es bis zum Wochenende sogar zwanzig Zentimeter sein.

Nun sind Wintereinbrüche im März nichts Ungewöhnliches, und in den südlichen Bundesländern ist es immerhin ein wenig milder. Dennoch zeigen sich selbst Experten beeindruckt von der Hartnäckigkeit der trostlosen Wetterlage. "Es ist schon außergewöhnlich, dass sich das so lange hinzieht", sagt Fabian Ruhnau von Meteomedia.

Grund für den ausbleibenden Frühling ist ein hartnäckiges Kaltluftgebiet über Skandinavien. "Das ist richtige Winterluft", sagt Meteorologe Ruhnau, "und die schafft es immer wieder, bis nach Deutschland vorzudringen". Eiskalt weht der Wind wegen dieser Wetterlage aus östlicher und nordöstlicher Richung - "da kann es einfach nicht Frühling werden".

Tatsächlich sehen die Prognosen für die nächsten Tage düster aus. Im Großen und Ganzen werde sich an der Situation bis Mitte nächster Woche nichts ändern, sagt Ruhnau. Höchstens am Oberrhein könne es ein bisschen wärmer werden, ansonsten gilt: Bis Ostern gibt es weiter das Knirschen von Splitt und Streusalz unter den Schuhen.

"Die Kaltluft im Norden wird sich eher noch verstärken", sagt Ruhnau. Sogar Dauerfrost sei fürs Wochenende zu erwarten; im Osten Deutschlands vielleicht sogar mit Rekord-Tiefstwerten für die Jahreszeit. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern könne dann immerhin auch mal die Sonne scheinen - "aber es bleibt bitterkalt durch den scharfen Ostwind".

Ein schwacher Trost: Auch in anderen Gegenden Europas ist es nicht weit her mit dem Frühling. Wer es wärmer will, muss schon nach Südspanien, nach Griechenland - oder auf die Inseln im östlichen Mittelmeer. Dort werden heute 21 Grad gemeldet. Glückliches Zypern.

rls/dpa

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