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GESCHLECHTERKAMPF Progressive Prügel?

Der dänische Männerforscher Hans Bonde, 40, über prügelnde Frauen, ratsuchende Männer und die Kehrseite der Emanzipation
aus DER SPIEGEL 7/1999

SPIEGEL: Herr Bonde, Sie befassen sich für die Universität Odense mit Männern, die schon mindestens einmal von ihren Ehefrauen oder Freundinnen geschlagen wurden. Sitzt bei Däninnen die Faust besonders locker?

Bonde: Ich glaube kaum, daß sie schneller zuschlagen als deutsche Frauen. Unser Umfrageergebnis, dem zufolge 30 Prozent der Männer schon einmal Prügel von ihren Frauen eingesteckt haben, fiele wohl auch in Deutschland nicht anders aus. Interessant ist der gesellschaftliche Stellenwert solcher Gewalt.

SPIEGEL: Ist der nach Ländern unterschiedlich?

Bonde: Ja. In Ländern, in denen die Emanzipation vorangeschritten ist, begegnet man der Gewalt von Frauen nachsichtiger. Es gilt als progressiv, wenn eine Frau mit Fäusten argumentiert, ein prügelnder Mann ist reaktionär.

SPIEGEL: Zu welchen Waffen greifen die Frauen mit Vorliebe?

Bonde: Sie setzen Füße und Fäuste ein. Ich behaupte: Frauen schlagen heute so oft wie Männer.

SPIEGEL: Wehren sich die Männer?

Bonde: Sie versuchen meist, es zu verdrängen. Von seiner Frau verprügelt zu werden, empfindet der Mann als peinlich. Darüber spricht er nicht.

SPIEGEL: Wie erfahren Sie es denn überhaupt, wenn ein Mann von seiner Frau geprügelt wurde?

Bonde: Die geschlagenen Männer wenden sich ausgerechnet an jene Krisen- und Beratungszentren, die für gewalttätige Männer geschaffen wurden. Sie sehen sonst keinen Ansprechpartner.

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