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Protest gegen Prostitutionsgesetz: Manifest der "343 Dreckskerle"

Foto: Tom Craig/ Demotix

Manifest französischer Prominenter "Hände weg von meiner Hure!"

In einem "Manifest der 343 Dreckskerle" fordern Prominente in Frankreich das Recht auf käuflichen Sex. Die selbsterklärten Freier machen Front gegen ein Gesetzesvorhaben, das den Besuch bei Prostituierten unter Strafe stellen soll.

Die Unterzeichner gehören zu den Promis des "Tout-Paris": Sie sind Schriftsteller, Schauspieler, Journalisten, TV-Moderatoren und vor allem - Männer. Und sie bekennen sich nicht nur zu der Vorliebe auf Geschlechtsverkehr mit Prostituierten, sie verlangen den legal gesicherten Anspruch auf käuflichen Sex.

Ohne im Einzelnen zuzugeben, dass sie im Wald von Boulogne, an den Seine-Kais oder an der Porte Saint Denis die Dienste des Straßenstrichs in Anspruch nehmen, fordern die Herren in einem flammenden Appell: "Hände weg von meiner Hure!"

Veröffentlicht wird ihr "Manifest der 343 Dreckskerle" in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift "Causeur". Es orientiert sich, der Seitenhieb ist bewusst gewählt, an dem historischen Vorbild von 1971, als Frauen das Recht auf Abtreibung einforderten. Heute hingegen machen die Machos mobil gegen einen Gesetzesentwurf, der vorsieht, die Kunden von Prostituierten strafrechtlich zu belangen. Geplante Buße: 1500 Euro, bei Rückfalltätern das Doppelte.

"Treu oder flatterhaft - wir sind Männer"

Das Vorhaben, gefördert von Najat Vallaud-Belkacem, Ministerin für Frauenrechte, und vorgelegt von der sozialistischen Abgeordneten Maud Olivier, sieht in einem "Verbot von käuflichem Sex" die "effektivste Maßnahme gegen Mädchenhandel und Zuhälterei". Dagegen machen die Anwälte des angeblich ältesten Gewerbes nun gemeinsam Front.

"Homos oder Heteros, sexuell freigeistig oder monogam, treu oder flatterhaft - wir sind Männer", so die Kampfschrift bei "Causeur". Deren Chefredakteurin Elisabeth Lévy räumt gegenüber der Tageszeitung "Libération" ein, dass das Manifest vor allem darauf abzielt, die "heutigen Feministinnen zu verarschen" - jene Frauen, die "sich nur für die Teilung der häuslichen Arbeit" einsetzen. Die streitbare Publizistin tritt hingegen für das "Recht auf den Unterschied" ein, "das Recht auf den Orgasmus" und überhaupt für die "Sache der Männer".

Und die brauchen offenbar Beistand aus dem weiblichen Lager.

Zwar distanzieren sich die Manifest-Unterzeichner von "Sex ohne Zustimmung", von Gewalt und Menschenhandel. Aber die Paschas wehren sich gegen den Anwurf, sie seien "Frustrierte, Perverse oder Psychopathen". Hinter solcher Darstellung stünden bloß "Verfechter einer versteckten Repression, die sich als feministischer Kampf tarne".

Da ist republikanische Wachsamkeit geboten, männliche Bürgerpflicht gewissermaßen, denn sonst würden Parlamentarier "Normen für ihre Begierden und Lüste errichten". Kurz, die Freiheit wäre in Gefahr: "Heute die Prostitution, morgen die Pornografie - und was wird man dann übermorgen verbieten?"

55 Fakten gegen die Prostitution

Die bedrohte Kundschaft der Huren weiß sich in ihrer Mission nicht allein. Ähnlich wie in Deutschland, wo Vertreterinnen der Sexarbeit die selbstbestimmte Ausübung ihres Gewerbes einfordern und der Kampagne der Zeitschrift "Emma" mit Skepsis begegnen, wehren sich auch französische Prostituierte gegen die Initiative der Regierung. "Die Kunden angreifen heißt uns angreifen", so eine Prostituierte bei einer Kundgebung vor der Nationalversammlung, als dort über den Text beraten wurde.

"Prostituierte und Kunden bekennen sich zur ihrer Wahl und beanspruchen ihr Recht", hieß es auf einem Transparent. Und eine andere Vertreterin der Zunft befürchtete nicht nur, dass mit der Gleichsetzung von Prostitution und Menschenhandel ihr Gewerbe endgültig in den Untergrund gedrängt würde. "Es wäre auch unser wirtschaftlicher Tod."

Der Protest der Prostituierten und ihrer Kunden gegen das, was sie als "staatliches Mobbing" bezeichnen, blieb freilich nicht ohne Echo. In einem Kommentar für die Zeitung "Le Monde" bestreitet Anne Zelensky, Präsidentin der Liga für Frauenrechte, die 1971 das Manifest für Abtreibung unterschrieb, einen Zusammenhang zwischen den Appellen: "In unserem Fall ging es darum, einen Zwang zu beenden, heute darum, eine Unterdrückung zu erneuern."

Das feministische Magazin "Causette" legt nach und bietet der Männerwelt mit 55 Fakten Argumentationshilfen, um der Versuchung zu widerstehen. Etwa: "Weil 80 bis 90 Prozent der Prostituierten heute Ausländerinnen sind, weil 90 Prozent der Gewalt gegen Prostituierte von ihren Kunden ausgeübt wird."

Und schließlich räumt die Zeitschrift mit der Vorstellung auf, dass käuflicher Sex seit Urzeiten zur Geschichte der Menschheit gehöre. "Das älteste Gewerbe? Das gilt eher für das Metier von Sammlern und Jägern."