Unmut über Polizeigewalt 200 Festnahmen bei nächtlichen Protesten in New York

Die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA reißen nicht ab. Allein in New York gingen in der Nacht zu Freitag Tausende Menschen auf die Straße. Die Polizei nahm etliche Demonstranten fest.

Demonstranten in New York: Mit erhobenen Händen gegen Polizeigewalt
REUTERS

Demonstranten in New York: Mit erhobenen Händen gegen Polizeigewalt


New York - Bei den jüngsten Protesten in New York gegen Rassismus und Polizeigewalt sind 200 Menschen festgenommen worden. Ihnen werde in den meisten Fällen Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen, teilte die Polizei mit. Nach der Entscheidung der Geschworenenjury im Fall Eric Garner waren in der Nacht zu Freitag erneut Tausende Amerikaner im ganzen Land zu Demonstrationen auf die Straßen gegangen, um ihrer Empörung Luft zu machen.

Allein am Foley Square in New York hatten sich nach einem Bericht der "New York Times" mindestens 2000 Menschen versammelt. Die Demonstranten blockierten einen U-Bahn-Eingang und mehrere Straßen, darunter den Broadway. Einige trugen schwarze Särge mit den Namen von Opfern von Polizeigewalt über die Brooklyn Bridge. Auch in Boston, Oakland, Denver, Chicago, Pittsburgh und Minneapolis gingen Hunderte auf die Straßen und blockierten Autobahnen und Brücken.

Schon am Mittwochabend hatten Tausende protestiert, nachdem eine Grand Jury entschieden hatte, dass sich ein weißer Polizist nicht für den Tod von Garner verantworten muss. Der Mann war Mitte Juli im Stadtteil Staten Island von dem Beamten niedergerungen worden, weil er des illegalen Zigarettenverkaufs verdächtigt wurde. Garner, schwergewichtig und Asthmatiker, röchelte noch gut ein Dutzend Mal: "Ich kriege keine Luft." Dann starb er an Herzversagen.

Obwohl ein Gerichtsmediziner den Tod Garners als "Tötungsdelikt" klassifiziert hatte und der Vorfall gefilmt worden war, kam die Grand Jury zu dem Urteil, dass es keinen Anlass gebe, den Polizisten anzuklagen. Ähnlich verlief es im Fall des weißen Polizisten Darren Wilson, der im August den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte.

Erst am Freitag gelangte ein weiterer Fall an die Öffentlichkeit, bei dem ein weißer Polizist einen unbewaffneten Schwarzen erschoss: In der Millionenstadt Phoenix im US-Staat Arizona war demnach Anfang der Woche ein 34-Jähriger in eine Polizeikontrolle geraten. Der Schwarze floh einem Bericht der "Arizona Republic" zufolge vor der Polizei, wurde jedoch eingeholt.

Nach Angaben der Polizei widersetzte sich der Mann seiner Festnahme und griff in seine Hosentasche, woraufhin es zu einem Handgemenge kam. Der Beamte meinte, in der Tasche eine Waffe zu fühlen. Als der Verdächtige auf Anweisungen, die Hand in der Tasche zu lassen, nicht reagiert habe, habe der Beamte zweimal auf ihn geschossen. Der 34-Jährige starb noch am Ort des Geschehens. In seiner Tasche fand sich eine Packung mit Medikamenten.

jbe/AFP

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Meconopsis 06.12.2014
1. Moralische Bankrotterklärung
Der Fall Garner ist wirklich ein Riesenskandal. Da wird selbst der verbissenste Verteidiger der Polizei hier im Forum keine vernünftigen Argumente mehr finden. Wie die Grand Jury hier einen Freispruch produzieren konnte ? Da gibt es nichts zu entschuldigen. Aber die Menschen wehren sich. Das ist jetzt der ultimative Demokratietest für die us-amerikanische Gesellschaft.
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