Protokoll des Terrors "Wir können kaum atmen"

Die Mohammed-Atta-Bande agierte so schnell, dass die Passagiere an Bord des entführten Flugzeugs nicht verstanden, was vor sich ging. Stewardess Betty Ong alarmierte die Bodenstation über den Notfall: "Ich glaube, wir werden entführt." Nun wurde den Hinterbliebenen des 11. Septembers erstmals der Hilferuf präsentiert.

American Airlines Flug 11 startete am 11. September 2001 um 8 Uhr in Boston mit Ziel Los Angeles. An Bord: Mohammed Atta, vier weitere Terroristen, 81 Passagiere, neun Besatzungsmitglieder - darunter die Stewardess Betty Ong.

Um 8.45 Uhr zerschellte das Flugzeug im World Trade Center. Die Terroristen hatten die Maschine gekapert, sich im Cockpit verbarrikadiert und die Boeing 767 in den Nordturm gesteuert. Was sich in der dreiviertel Stunde an Bord angespielt hat, blieb bislang Spekulation.

Nun wurde ein Tonband veröffentlicht, das die letzten Minuten an Bord der Maschine dokumentiert. Stewardess Ong meldete sich gegen 8.20 Uhr telefonisch bei der Bodenzentrale der American Airlines. "Aus dem Cockpit antwortet niemand", sagte die 45-Jährige mit ruhiger Stimme. "In der Business Class wurde jemand erstochen. Ich glaube, es wurde Reizgas eingesetzt. Wir können kaum atmen", sagt die Stimme auf dem Tonband, das nun erstmals auch den Hinterbliebenen der Terroranschläge in Auszügen vorgespielt wurde.

Nydia Gonzalez, die in der American-Airlines-Zentrale den Anruf entgegennahm, berichtete bei der Tonbandpräsentation: "Betty war ruhig, sehr kontrolliert und sehr professionell." Medienberichte wonach die Stewardess hysterisch oder ängstlich gekreischt habe, seien falsch, sagte Gonzales. Sie glaube, dass die Passagiere und Besatzungsmitglieder der Maschine keinerlei Vorstellung davon gehabt hätten, was die Entführer planten.

Ong habe gesagt, dass zwei ihrer Kollegen - der Steward der ersten Klasse und der Chefsteward des Fluges - getötet worden seien. "Niemand weiß, wer wen erstochen hat." Sie selbst könne sich nicht einmal Richtung Business Class bewegen. Sie könne kaum atmen. Was im Cockpit vor sich gehe, wisse sie nicht, sagte Ong noch. "Wir wissen nicht, wer dort drinnen ist."

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