Provence Überschwemmungen reißen mehrere Menschen in den Tod

Es ist das heftigste Unwetter in der Region seit fast mehr als 180 Jahren: Bei verheerenden Überschwemmungen im Südosten Frankreichs sind mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Anwohner und Touristen mussten mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

REUTERS

Draguignan - Auf dem Parkplatz von Les Arcs in der Provence klafft ein sechs Meter breites Loch, der Asphalt ist eingebrochen. Bäume sind umgestürzt, Häuser eingerissen, Autos auf einem Haufen zusammengedrückt. "So etwas haben wir noch nie gesehen", sagt der Bürgermeister des 6000-Einwohner-Ortes im Hinterland der Côte d'Azur.

Zwar hatten die Behörden vor einem Unwetter gewarnt. Dass der Regen aber derart flutartig kommen und binnen weniger Minuten alles überschwemmen würde, hatte niemand geahnt. Ein derart schlimmes Unwetter in der Region gab es nach Angaben des französischen Wetterdienstes zuletzt im Jahr 1827. Mindestens 19 Menschen starben. Vier weitere Leichen seien am Nachmittag in zwei Ortschaften in dem Katastrophengebiet zwischen Marseille und Nizza gefunden worden, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Sie waren zunächst von 15 Toten ausgegangen.

Feuerwehr und Behörden schlossen nicht aus, dass es weitere Opfer in von Fluten mitgerissenen Autos oder überschwemmten Häusern geben könnte. Mehr als 1200 Menschen mussten in Notunterkünften untergebracht werden, darunter auch ausländische Urlauber.

"Die Apokalypse", sagt Bürgermeister Alain Parlanti, und ihm ist anzumerken, dass er das Unglück noch gar nicht fassen kann. Der kleine Fluss Real, der durch Les Arcs fließt, sei am Dienstagnachmittag binnen kürzester Zeit über das Ufer getreten und habe eine Spur der Verwüstung hinterlassen, berichtet er. Glücklicherweise sei in Les Arcs niemand verletzt.

Dramatische Szenen in Draguignan

In der Stadt Draguignan, nur wenige Kilometer entfernt, kamen mindestens acht Menschen ums Leben. Ein AFP-Reporter berichtet von dramatischen Szenen: Mit einem guten Dutzend anderer Menschen flüchtete er vor den Fluten in ein Wohnhaus. Bald war der Eingangsbereich überschwemmt, die Gruppe zog sich ins Treppenhaus zurück. Draußen versank derweil der Parkplatz in den Fluten.

Von Dienstagnachmittag an hatte es in der Region pausenlos geregnet. Acht Campingplätze mussten evakuiert werden. Fast 100.000 Haushalte waren am Mittwoch immer noch ohne Strom, wie das örtliche Versorgungsunternehmen mitteilte. In über 13.000 Haushalten fiel überdies das Telefon aus. Die Präfektur des Departements Var sagte, wegen der Stromausfälle gebe es Probleme mit der Trinkwasserversorgung.

Rund 1200 Rettungskräfte und gut 650 Polizisten bemühten sich, den Menschen im Katastrophengebiet zu helfen. Wegen der Überschwemmungen gestalteten sich die Rettungsarbeiten indes schwierig, zahlreiche Straßen waren gesperrt. Der Zugverkehr zwischen Nizza und Toulon wurde bis voraussichtlich Donnerstag eingestellt. Die rund 430 Insassen der Haftanstalt von Draguignan mussten in Sicherheit gebracht und in andere Gefängnisse verlegt werden.

Schlammmassen, verkeilte Autos, Trümmer und Schutt

"Wir haben das Herz der Stadt heute Morgen verwüstet vorgefunden", sagte die Unterpräfektin des Var, Corinne Orzechowski, bei einem Besuch in Draguignan. Das schlammige Wasser stand demnach zwei Meter hoch in den Straßen. Am Mittwoch, als der Regen nachließ, waren die Wege teils von Schlammmassen, verkeilten Autos, Trümmern und Schutt verstopft. Bäume lagen quer, Möbelstücke trieben im Wasser auf den Straßen. Neun Hubschrauber und 15 Boote waren den Behörden zufolge allein in Draguignan im Einsatz, um Hunderte Anwohner in Sicherheit zu bringen. Rund 450 Menschen wurden auf dem Luftweg aus dem Katastrophengebiet gerettet.

In den betroffenen Ortschaften wachte die Polizei darüber, dass niemand plünderte. In einem Einkaufszentrum in Muy wurden drei junge Leute erwischt, die zum Plündern ausgezogen waren.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sicherte den Bewohnern des Überschwemmungsgebiets Solidarität zu und dankte den Rettungskräften für ihre Arbeit. Er habe die Regierung aufgefordert, den Betroffenen alle nötige Unterstützung zukommen lassen, teilte der Elysée-Palast mit. Innenminister Brice Hortefeux reiste in die Katastrophenregion, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

wit/AFP/apn



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Sophomore 16.06.2010
1. Das ist ungefähr fast genau exakt!
Zitat von sysopEs ist das heftigste Unwetter in der Region seit fast mehr als 180 Jahren: Bei verheerenden Überschwemmungen im Südosten Frankreichs sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Anwohner und Touristen mussten mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,701077,00.html
Was denn nun? Fast 180 Jahre? Mehr als 180 Jahre? Genau 180 Jahre? :D
sittingbull, 17.06.2010
2. Beckmessern??
Zitat von SophomoreWas denn nun? Fast 180 Jahre? Mehr als 180 Jahre? Genau 180 Jahre? :D
Dieser "entspannte" (man merkt, Sie sind nicht betroffen!) Relativierungsversuch ist bei vielen der heutzutage schnell veroeffentlichen Zahlen oft gerechtfertigt - hier ist er deplaziert! Die Zahl bezieht sich nicht auf die letzte vergleichbare Katastrophe, sondern auf den Beginn der regelmaessigen Wetter-Aufzeichnungen im Jahr 1827!
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