Prozess Falscher Schönheitschirurg entstellte Patienten

Seinen Patientinnen versprach er einen Luxuskörper - und verunstaltete sie dann. Mehrere Jahre soll ein Mediziner aus Leverkusen ohne Facharztausbildung Schönheitsoperationen vorgenommen haben. In 41 Fällen habe er sich der Pfuscherei schuldig gemacht, so die Anklage des Landgerichts Aachen.


Aachen - Er ist ein Arzt, dem die Frauen vertrauen: Hoch gewachsen, ergrautes Haar. Doch nach der Operation kam das böse Erwachen: Narben, Hautdellen, Verbrennungen und Wundinfektionen entstellten ihre Körper. Einige Frauen mussten deswegen psychologisch behandelt werden.

Der Gynäkologe, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Aachen, soll in 41 Fällen "grob fehlerhaft" operiert haben. Obwohl der Mediziner keine fachchirurgische Ausbildung besitzt, hatte er von 1997 bis 2000 in einer Klinik in Krefeld sowie in den Behandlungsräumen eines Aachener Kosmetikinstituts Schönheitsoperationen durchgeführt.

Bei den Eingriffen kam es immer wieder zu schweren Komplikationen: So ließ sich eine 36-jährige übergewichtige Diabetikerin rund fünf Kilogramm Fett aus der Bauchdecke absaugen - und landete auf der Intensivstation der Aachener Uniklinik. Bei anderen Patientinnen war zwar das Fett an Oberschenkeln und Bauch verschwunden, doch entstellten Hautdellen und Narben ihre Körper.

Nach misslungenen Brustoperationen seien Frauen mit unterschiedlich großen Brüsten aus der Narkose aufgewacht, so die Anklageschrift. Bei einer angestrebten Brustverkleinerung hatte der Mediziner fälschlicherweise ein Implantat eingesetzt: Die Brust wurde größer.

Auch Ausstattung und Hygiene der Operationssäle hätten nicht dem Mindeststandard entsprochen. Eine Patientin soll er gar auf der Toilette behandelt haben.

Mitangeklagt ist ein 62-jähriger Geschäftspartner des Arztes. Dem Kaufmann, in dessen Aachener Kosmetikstudio die Eingriffe durchgeführt wurden, war laut Staatsanwaltschaft die fehlende Fachkompetenz des Mediziners bekannt. Dennoch habe er in mindestens acht Fällen Patienten überredet, sich kosmetischen Operationen zu unterziehen.

An 22 Verhandlungstagen sollen 44 Zeugen und zwei Sachverständige aussagen.



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