Prozess Mzoudi soll gegen Motassadeq aussagen

Vor dem Hamburger Oberlandesgericht muss sich dieser Tage der Marokkaner Mounir al-Motassadeq verantworten. Ihm wird vorgeworfen, den Attentäter vom 11. September geholfen zu haben. Sein von diesem Vorwurf bereits freigesprochener Landsmann Abdelghani Mzoudi soll nun als Zeuge gegen ihn aussagen.


Marokkaner Mzoudi (li.), Motassadeq: Aussage gegen den Landsmann
AP

Marokkaner Mzoudi (li.), Motassadeq: Aussage gegen den Landsmann

Hamburg - Mzoudi werde vor dem Hamburger Oberlandesgericht auftreten, sagte der Vorsitzende Richter Ernst-Rainer Schudt heute: "Er wird morgen früh hier erscheinen und uns sagen, ob er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht."

Ob der als enger Vertrauter Motassadeqs geltende Mzoudi aussagen wird, ist unklar. Während Mzoudis Anwältin Gül Pinar dem Gericht mitgeteilt hat, dass ihr Mandant sich nicht äußern werde, will Motassadeqs Verteidiger Ladislav Anisic in Erfahrung gebracht haben, dass Mzoudi umfassend aussagt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte in der vergangenen Woche den Freispruch Mzoudis durch das Hanseatische Oberlandesgericht vom Oktober 2004 bestätigt. Mzoudi war der Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung angeklagt, für eine Verurteilung reichte aber die Beweislage nicht aus. Motassadeq wird nun derselbe Vorwurf zur Last gelegt. In einem ersten Prozess war er bereits zu 15 Jahren Haft wegen Beteiligung an den Anschlägen des 11. September verurteilt worden. Der BGH hob das Urteil jedoch auf und ordnete eine erneute Verhandlung an, weil möglicherweise entlastende Zeugenaussagen aus den USA nicht berücksichtigt worden waren.

Im Prozess gegen Motassadeq will das Hamburger Gericht nun auch die aus den USA übersandten Aussagen der mutmaßlichen Terror-Drahtzieher Ramzi Binalshibh und Khalid Scheich Mohammed als Beweismittel zulassen. Es sei nicht nachgewiesen, dass die Aussagen unter Folter zustande gekommen seien, ließ das Hamburger Gericht verlauten. Das Gericht sei sich der Folter-Problematik aber bewusst und werde dies bei der Beweiswürdigung berücksichtigen.

In den amerikanischen Unterlagen hat Binalshibh erklärt, dass Motassadeq nicht in die Planung der Anschläge vom 11. September verwickelt und nicht Mitglied der Hamburger Terrorzelle um den Todespiloten Mohammed Atta gewesen ist.



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