Prozess Opa-Gang gesteht Banküberfälle

Mit umfassenden Geständnissen hat vor dem Landgericht Hagen der Prozess gegen die vermutlich ältesten Bankräuber Deutschlands begonnen. Nur das mit 64 Jahren jüngste Mitglied des Trios wollte sich vor Gericht nicht äußern. Den Senioren werden insgesamt 14 Banküberfälle zur Last gelegt.


Bilder von drei Überfällen, die den angeklagten Senioren unter anderem zur Last gelegt werden
DPA

Bilder von drei Überfällen, die den angeklagten Senioren unter anderem zur Last gelegt werden

Hagen - Bei ihren Beutezügen sollen die drei Männer in 16 Jahren mehr als eine Million Euro geraubt haben. Laut Anklage begingen der 74-jährige Rudolf R., der 73-jährige Wilfried A. und der 64-jährige Lothar A. im Dezember 1988 ihren ersten Überfall auf eine Sparkassenfiliale in Leopoldshöhe und erbeuteten dabei 110.000 Mark (55.000 Euro).

Bis Januar 2004 sollen weitere Überfälle auf Geldinstitute gefolgt sein, unter anderem in Bielefeld, Iserlohn und Herford. Jedes Mal sollen die Verbrecher mit scharfen Waffen, teils aber auch mit Handgranaten-Attrappen, die Herausgabe des Geldes erzwungen haben und dabei äußerst brutal vorgegangen sein.

Bei den Vorbereitungen zu einem weiteren Überfall waren die Angeklagten am 4. November 2004 von einer eigens gebildeten "Soko Opa" und von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen worden. Die Polizei hatte die Täter der Raubserie zunächst nicht in dieser Altersgruppe gesucht.

In seinem Geständnis räumte Wilfried A. ein, dass die Bande die Kunden und Angestellten der jeweiligen Bank einschüchtern wollte. "Unser Bestreben war, Schrecken zu verbreiten", erklärte der 73-jährige Angeklagte aus Dortmund. Es sei aber vor den Überfällen abgesprochen gewesen, dass nicht geschossen und niemand verletzt werde. Sie hätten gewusst, dass die Bankangestellten Weisung gehabt hätten, bei einem Überfall keinen Widerstand zu leisten, sagte Wilfried A. "Haupttriebkraft aller meiner Schandtaten war Angst", gab der Dortmunder als Motiv für die Raubzüge an. Nachdem er bereits insgesamt 40 Jahre im Gefängnis verbracht habe, bekomme er keine Rente und habe nicht in ein Altersheim gewollt. Mit seinem Anteil an der Beute kaufte er einen Hof bei Bielefeld.

Sein ein Jahr älterer Komplize aus Iserlohn Rudolf R. gab dagegen zu Protokoll, dass er wegen seiner florierenden Motorenwerkstatt das Geld gar nicht nötig gehabt habe. Er habe sich immer wieder "bequatschen" lassen. "Ich bin ein Idiot gewesen", sagte Rudolf R. Von seinem Kumpanen Wilfried A. wurde er dagegen als "Speerspitze" der Bande bezeichnet.

Angefangen habe er mit den Überfällen wegen eines angeblichen Fehlurteils, berichtete Rudolf R. Er sei 1969 wegen eines Banküberfalls vier Jahre unschuldig ins Gefängnis gekommen. Anschließend habe er gedacht: "Jetzt hole ich mir meine Wiedergutmachung." Der Iserlohner hat insgesamt bereits 14 Jahre im Gefängnis verbracht.

Im Falle eines Schuldspruchs drohen den Verurteilten bis zu 15 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der Anwalt von Wilfried A. sagte am Rande des Prozesses, sein Klient werde dann "wahrscheinlich sein Leben lang im Gefängnis bleiben". Der 73-Jährige sei bereits mehrfach wegen Raub und Diebstahl verurteilt worden. Vor sechs Jahren sei er aus dem Gefängnis gekommen und habe keine Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen können. In den ersten Monaten habe er noch versucht, ohne Straftaten über die Runden zu kommen, dann habe er wieder angefangen. Wilfried A. sei ein "gestrauchelter Mensch". Der Prozess ist auf neun Verhandlungstage angesetzt. Dabei sollen mehr als 40 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört werden.



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