Prozess um tödliche Axthiebe Auf "nervendes" Opfer eingehackt

Ein 18-jähriger Jugendlicher hat vor Gericht gestanden, einen jüngeren Bekannten mit einer Axt erschlagen zu haben. Das grausige Motiv: Der Täter fühlte sich vom 13-jährigen Opfer "genervt".


Nürnberg - Die Bluttat hatte im mittelfränkischen Höchstadt Entsetzen ausgelöst: Ein 17-Jähriger war im Dezember 2000 auf dem Fahrrad-Gepäckträger bei einem 13-jährigen Kumpel mitgefahren. Da zog der Ältere ein Beil aus der Jackentasche und schlug von hinten auf den Kopf des Fahrers ein. Das Opfer wurde in einer Blutlache liegend von Passanten gefunden, denen der Schwerverletzte noch den Namen des Täters nennen konnte. Einige Tage nach der Tat war der Junge an seinen Verletzungen gestorben.

14 Monate später wird die Tat vielen wieder in schmerzhafte Erinnerung gerufen. Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hat jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit der Prozess gegen den heute 18-Jährigen begonnen. Dessen Geständnis schockierte: Der Getötete habe auf der Heimfahrt ununterbrochen "gelabert", er habe die nervende Stimme "einfach abstellen wollen." Erst danach sei er "wie aufgewacht" und habe gemerkt, dass er "Scheiße gebaut" habe, schilderte der junge Mann vor der Jugendkammer die Tat.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte aber damals gegenüber Freunden mehrmals angekündigt, jemanden umbringen zu wollen. Vor Gericht erklärte der Beschuldigte, diese Worte seien nicht ernst gemeint gewesen.

Als Entschuldigung nannte der Angeklagte, dass er bei der Tat nach etwa 20 Flaschen Bier betrunken gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft zweifelt an dieser Aussage, bei einer Blutprobe nach der Tat sei nur ein Blutalkoholgehalt von 1,1 Promille gemessen worden.

Außerdem sei der 18-Jährige ein "Axt-Fan", berichtete der Anklagevertreter: Die Wände seines Zimmers seien mit Beilen dekoriert, Freunden habe er immer wieder seine Äxte gezeigt. Vorbild für die Tat könnte ein Horrorfilm sein, vermutet die Staatsanwaltschaft.



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