SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. August 2004, 17:04 Uhr

Prozess wegen Amokfahrt

Geisteskranker rammte Autos bei Tempo 180

Ein 52 Jahre alter Mann muss sich wegen einer Amokfahrt auf der Autobahn vor Gericht verantworten. Er hatte mit Tempo 180 mehrere Autos nacheinander von hinten gerammt und von der Überholspur gedrängt. Einem Gutachten zufolge leidet der Mann an einer schizophrenen Psychose.

A 99 bei München: Angeklagter nutzte Autobahn als "Jagdstrecke"
DPA

A 99 bei München: Angeklagter nutzte Autobahn als "Jagdstrecke"

München - Zum Prozessauftakt räumte der Mann vor dem Landgericht München I die Vorwürfe ein. An Details könne er sich aber nicht erinnern. Der Anklageschrift zufolge war der Autofahrer im Juli 2003 eine gute halbe Stunde lang auf dem Münchner Autobahn-Ring und der Autobahn 8 zwischen München und Salzburg unterwegs gewesen. Dabei drängte er sieben Autos von der Überholspur.

Der Vorsitzende Richter sprach von einer "Jagdstrecke". Alle Beteiligten kamen glimpflich davon. "Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt oder gar getötet wurde." Der Mann ist wegen Nötigung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Unfallflucht angeklagt. Die Tat ereignete sich nur acht Tage nach dem tödlichen Unfall, den der so genannte Autobahnraser von Karlsruhe verursacht haben soll.

Im Münchner Fall verhinderte die Geistesgegenwart der anderen Fahrer schwerere Unfälle. Sechs Fahrer behielten die Nerven und wechselten auf den mittleren Fahrstreifen. Einer verlor die Kontrolle über seinen Wagen und schleuderte gegen die Mittelleitplanke. Sein Wagen wurde zerstört, der Fahrer blieb aber unverletzt. Zwei Autofahrer versuchten vergeblich, den Raser auszubremsen. Die Polizei konnte die Amokfahrt bei Bad Aibling schließlich stoppen, sie brachte den angeblichen "Formel-1-Fahrer" in ein psychiatrisches Krankenhaus. Sein Führerschein wurde vorerst eingezogen.

Gutachtern zufolge ist der Angeklagte seelisch gestört. Der Raser leidet seit 1981 an einer schizophrenen Psychose. Das Gericht muss nun auch über seine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt entscheiden.

Der Angeklagte hat die Fahrerlaubnis schon einmal verloren und damals die medizinisch-psychologische Untersuchung nicht bestanden. Er bekam den Schein nach einem positiven psychiatrischen Gutachten zurück. Dass er seinen Führerschein jemals zurückbekommt, schließen alle Beteiligten jedoch aus.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung