Prügelvorwürfe Ehemalige Heimkinder lehnen Treffen mit Mixa ab

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat die Prügelvorwürfe ehemaliger Heimkinder in einer persönlichen Erklärung zurückgewiesen - und ihnen ein Gespräch vorgeschlagen. Zwei Frauen haben das Angebot bereits abgelehnt: Mixa solle zuerst seine Schuld eingestehen.
Augsburger Bischof Mixa: "Zutiefst erschüttert"

Augsburger Bischof Mixa: "Zutiefst erschüttert"

Foto: Rolf Haid/ dpa

Walter Mixa

München - Der Augsburger Bischof ist zu Gesprächen über die gegen ihn erhobenen Misshandlungsvorwürfe bereit. Der Geistliche will nach Angaben des Ordinariats mit ehemaligen Zöglingen des Kinderheims St. Josef in Schrobenhausen über deren Erinnerungen, Erlebnisse und die Vorwürfe sprechen. Er wolle erfahren, "was sie in ihrer Kindheit belastet hat", hieß es. Gleichzeitig versicherte Mixa noch einmal, zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt zu haben.

"Die Sorge um das Wohl und die Zukunft von Kindern, Jugendlichen und Familien ist ein vorrangiges Anliegen meiner seelsorglichen Arbeit seit eh und je", teilte Mixa mit. Der Bischof zeigte sich "zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die gegen mich erhoben werden".

Zwei der angeblich vom Augsburger Bischof Walter Mixa verprügelten Heimkinder haben bereits ablehnend auf dessen Dialogangebot reagiert. Im Gespräch mit dem Online-Portal sueddeutsche.de äußerten sich die Frauen am Donnerstag entsetzt über Mixas persönliche Stellungnahme zu den Vorwürfen.

Eine von ihnen sagte, sie sei "geschockt". Mixa "belügt sich selbst", erklärte sie. Auch die andere zeigte sich "fassungslos". Aus Mixas Erklärung kritisierte sie vor allem den Satz: "Ich bin zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die mir gegenüber erhoben werden." Mixas Worte seien "verlogen und unverfroren".

Ein annehmbares Gesprächsangebot können beide Frauen in den Äußerungen des Bischofs nicht erkennen. Eine der beiden erklärte, sie werde erst dann ein Treffen in Betracht zu ziehen, wenn Mixa eingesteht, dass er sie geschlagen habe. "Ich spreche auf keinen Fall mit jemandem, der mich als Lügner hinstellt." Beide werfen Mixa vor, er habe sie als Stadtpfarrer im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Schrobenhausen vor 30 Jahren geprügelt und verletzt.

"Ins Gesicht geschlagen"

Zuvor war gegen den Geistlichen ein weiterer Misshandlungsvorwurf bekanntgeworden. Die Zahl der eidesstattlichen Erklärungen mit Anschuldigungen gegen Mixa habe sich damit auf sechs erhöht, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Inzwischen haben vier Frauen und zwei Männer erklärt, Mixa habe in den siebziger und achtziger Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen bei Augsburg Kinder geprügelt.

"Er hat mich mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen", zitierte die Zeitung aus einer eidesstattlichen Versicherung einer heute 47-Jährigen, die dem Bericht zufolge von 1968 bis 1977 in einem Schrobenhausener Kinderheim lebte. Die Kinder hätten zudem stundenlang Mixas Auto putzen müssen.

Am Mittwoch hatte das Bistum bereits erklärt: "Bischof Mixa hat zu keinem Zeitpunkt in keiner seiner Funktionen Kinder misshandelt." Es bezeichnete die Vorwürfe in der Stellungnahme als "absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den Bischof persönlich zu diffamieren". Das Bistum behalte "sich ausdrücklich zivilrechtliche und strafrechtliche Schritte" vor.

Die angeblich Betroffenen sind laut "SZ" heute 41 bis 48 Jahre alt. Walter Mixa war ab 1975 Stadtpfarrer in Schrobenhausen, später auch Dekan. Auch Nonnen sollen den Schilderungen mutmaßlicher Opfer zufolge in dem Heim Kinder geschlagen haben, wie die Zeitung meldet.

"Loch im Kopf"

Eine Betroffene sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie sei von den Ordensfrauen mehrfach mit einem Besenstiel und einem Stock geschlagen worden. Einmal habe ihr eine Nonne ein Schlüsselbund an den Kopf geworfen und sie dadurch verletzt. "Ich habe ein Loch im Kopf gehabt, das war schon grausam, was ich da erlebt habe", sagte die Frau. Eine der Beschuldigten soll bis heute in dem Heim arbeiten.

Die Regierung von Oberbayern prüft die Misshandlungsvorwürfe mittlerweile. Ein Sprecher sagte jedoch der ARD, in ihren Akten seien bislang keine Hinweise auf die erhobenen Vorwürfe zu finden gewesen.

Derweil stellt sich die Deutsche Bischofskonferenz auf die Seite des Augsburger Bischofs. Der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk über Walter Mixa: "Ich glaube ihm."

Es stünden die Behauptungen mehrerer Menschen gegen die Entlastung des Bischofs. Er denke, dass das Bistum nach den bekanntgewordenen Vorwürfen die richtigen Schritte eingeleitet habe, es zu einem "klärenden Prozess kommt und über die Dinge weiter gesprochen wird", so Langendörfer.

jdl/lgr/dpa/ddp/apn
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