Psychologische Kriegsführung Wie die Briten Hitler mit Horoskopen bekämpften

Der britische Geheimdienst hat während des Zweiten Weltkriegs versucht, Adolf Hitler mit düsteren Horoskopen zu verunsichern. Das geht nach einem Bericht der "Sunday Times" aus jetzt freigegebenen Dokumenten des britischen Staatsarchivs in London hervor.


Adolf Hitler: Angst vor dem frühen Tod
DER SPIEGEL

Adolf Hitler: Angst vor dem frühen Tod

London - Hitler galt als sterngläubig, das war den Briten bekannt. Der Propagandaminister Joseph Goebbels holte sogar den Sterndeuter Karl Krafft (1900-1945) als "Hofastrologen" aus der Schweiz nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wollten sich die Briten diesen Umstand für die psychologische Kriegsführung zunutze machen.

"Hitler hält sich weiter den Astrologen Krafft und hat Angst davor, vor Beendigung seines Lebenswerks zu sterben", hielt deshalb Major Leslie Sheridan von der Sabotage-Einheit für Spezialoperationen im April 1941 fest. Wenn es gelingen würde, so Sheridans Kalkül, in aller Welt pessimistische astrologische Voraussagen für Hitlers Zukunft zu verbreiten, dann werde dies schließlich auch dem deutschen Diktator selbst zu Ohren kommen und eine "destabilisierende Wirkung" haben. Entsprechend wurde - teils über die Presse - die Vorhersage gestreut, dass Hitler in der zweiten Jahreshälfte einen schweren Rückschlag erleiden und 1942 sterben werde.

Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht. Denn nachdem in Berlin der England-Flug des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß dem Einfluss von Astrologen zugeschrieben wurde, galt die Sterndeuterei auch bei den Nazis als diskreditiert. Der Astrologe Krafft wurde verhaftet und starb 1945 auf dem Weg ins Konzentrationslager.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.